IFOY Audit
Finalisten durchlaufen im Rahmen des IFOY Audit, das im Rahmen des TEST CAMP INTRALOGISTICS stattfindet, das dreistufige IFOY Audit. Dieses besteht aus dem wissenschaftlichem IFOY Innovation Check, dem IFOY Test und dem Jurytest.
Vom Greenfield-Start zum Peak-Ready-Betrieb in acht Monaten: LocusONE orchestriert bis zu 350 Locus Origin AMRs im 40.000 m² großen Fulfillment-Center der Quality Group in Elsdorf. Für die stark wachsenden Marken ESN und More Nutrition, deren influencer-getriebene Kampagnen jede SKU über Nacht zum Topseller machen können, reagiert die LocusONE-Plattform sofort. Aufgaben und Roboter werden in Echtzeit entlang der Nachfrage neu verteilt, sodass der Durchsatz unabhängig davon hoch bleibt, für welche Produkte gerade die Nachfrage explodiert. Die Operation skalierte in nur acht Monaten von 40 auf 350 Roboter und zeigt, dass flexible, software-definierte Automatisierung heute den Durchsatz fixer Systeme erreicht, ohne die Anpassungsfähigkeit zu verlieren, die moderne E-Commerce-Modelle brauchen.
Produktname und Firma
LocusONE at The Quality Group – Locus Robotics
Kategorie
Integrated Customer Solution
Kunde
Umsetzungszeitrum
Von:
Bis:
31.12.2025
Investitionsvolumen
300000 €






Die Quality Group (TQG) ist eines der am schnellsten wachsenden E-Commerce-Unternehmen Deutschlands im Bereich Functional Food und Sporternährung. Mit ihren Marken ESN und More Nutrition verbindet TQG hochwertige, überwiegend in Deutschland lokal produzierte Produkte mit einem stark digitalen, influencer-getriebenen Go-to-Market-Ansatz. Häufige Produktlaunches, limitierte Drops und wöchentliche Promotions erzeugen kurze, starke Peaks und schnell wechselnde Nachfragemuster. Damit ist die SKU-Geschwindigkeit nicht stabil. Jedes Produkt kann über Nacht zum Fast Mover werden, und das Set der A-Mover verändert sich mehrfach im Monat.
Ausgangssituation und Projektziele
TQG hat in Elsdorf ein neues Greenfield-Fulfillment-Center mit 40.000 m² gebaut, um das starke Wachstum zu unterstützen und das Netzwerk zu konsolidieren. Zwei zuvor getrennte Lagerstandorte wurden nach Elsdorf verlagert, sodass TQG das Fulfillment zentralisieren, Prozesse vereinfachen und den bisherigen Hauptstandort planmäßig schließen konnte, um ihn zu einem zweiten Produktionsstandort umzubauen. Die Anlage in Elsdorf wurde dafür ausgelegt, initial rund 45.000 E-Commerce-Bestellungen pro Tag und 300.000 Einheiten pro Tag zu verarbeiten und in Peak-Zeiten schnell auf 60.000 Bestellungen pro Tag und darüber hinaus zu skalieren. Zentrale Anforderung war eine Fulfillment-Lösung, die Goods-to-Person-Durchsatzniveau liefert, ohne das Geschäft in starre, fixe Automatisierung und hohe CAPEX-Investitionen zu zwingen. TQG brauchte maximale Performance mit der Flexibilität, Flüsse, Zonen und Fast-Mover-Platzierung laufend an Kampagnen und Trendwechsel anzupassen, bei gleichzeitig schlanker, überwiegend OPEX-basierter Automationsinvestition.
Herausforderungen
Das Projekt wurde durch vier Realitäten des Geschäftsmodells und der Netzwerkstrategie von TQG geprägt.
Die Lösung
Locus Robotics hat die LocusONE-Plattform mit einer Flotte von Locus Origin AMRs ausgerollt. LocusONE ist an das Logistics Reply WMS von TQG angebunden und orchestriert Roboter und Mitarbeitende in Echtzeit über mehrere Hallen und Pick-Zonen hinweg. Das System folgt zwei Prinzipien: erstens software-getriebene Orchestrierung, die Arbeit sofort neu verteilen kann, wenn Kampagnen die Nachfrage verschieben; zweitens skalierbare Robotikkapazität, die mit dem Bedarf wächst, statt eine einmalige Überdimensionierung zu erzwingen.
Stufenweiser Ramp-up bis zur Vollskalierung
Der Rollout folgte einem bewusst gestuften Ramp-up, der das Wachstum von TQG und den Aufbau der neuen Anlage spiegelte.
Dieser stufenweise Ansatz ist ein zentrales Innovationselement. Statt TQG in einen starren Automations-Zeitplan zu drücken, wuchsen Robotikkapazität und Orchestrierung genau dann, wenn die Nachfrage es erforderte.
FastPick für rotierende Fast Mover
Ein zentrales Element der Lösung ist LocusONE FastPick. TQG nutzt dedizierte FastPick-Zonen in breiten Gängen bzw. Gravity-Rack-Bereichen, in denen Bots bedarfsabhängig zu Pick-Walls clustern. Diese Zonen sind gezielt für SKU-Volatilität ausgelegt. Wenn Kampagnen wechseln und neue Produkte zu A-Movern werden, slotet TQG diese SKUs in die FastPick-Zone um und LocusONE konzentriert automatisch Roboter und Arbeit auf den neuen Nachfrage-Peak. Falls ein Umslotten nicht rechtzeitig möglich ist, bleibt die Performance dennoch stabil: LocusONE kann auch in Standardzonen eine Pick-Wall bilden und Bots dynamisch dorthin ziehen, wo der neue Fast Mover liegt, sodass der Durchsatz gesichert ist, bevor das Layout physisch angepasst wird. Paletten werden von hinten über dedizierte Nachschublanes replenished, wodurch Hochgeschwindigkeits-Picking ohne Decanting in fixe Systeme möglich bleibt. So erreicht TQG sehr hohen Durchsatz bei Fast Movern, während die Platzierung voll flexibel bleibt.
Integrationen und Prozessfluss
Das Locus-System läuft parallel zur übrigen Automationslandschaft in Elsdorf, einschließlich Vanderlande-Fördertechnik und Ranpak-On-Demand-Packaging. Die Roboter speisen gepickte Aufträge in den Downstream-Flow ein, während Fördertechnik und Verpackung Transport, Kartonerstellung und finale Paketverarbeitung übernehmen. LocusONE liefert Echtzeit-Transparenz und Workload-Balancing über die Pick-Zonen hinweg.
Kundennutzen
Die integrierte Lösung liefert klare Ergebnisse entlang der Ziele von TQG.
Durchsatz auf Niveau fixer Automatisierung bei erhaltener Flexibilität. FastPick-Bereiche ermöglichen Goods-to-Person-Produktivität bei Hochgeschwindigkeits-SKUs ohne Decanting oder starre Infrastruktur. TQG erreicht High-Density-Picking mit minimalem Laufen und konstantem Bot-Zulauf an den Stationen.
Sofortige Anpassung an Nachfragewechsel. LocusONE verteilt Roboter und Tasks in Echtzeit neu, sodass jede SKU, die zum Fast Mover wird, unmittelbar aufgefangen wird, ohne Hardware umzubauen.
Peak-Resilienz durch skalierbare Robotik. Die Flotte wuchs in acht Monaten von 40 auf 350 Roboter, inklusive temporärer Peak-Bots während Kampagnen (30 zusätzliche Bots für Black Week). Das reduziert große Arbeitsspitzen und vermeidet Überdimensionierung fixer Automatisierung.
Schneller Time-to-Value. Der Standort ging weniger als 90 Tage nach Vertragsabschluss live und erreichte die volle Drei-Hallen-Skalierung deutlich früher als geplant.
Bessere Ergonomie und schneller Ramp-up neuer Mitarbeitender. Laufen ist in FastPick-Zonen weitgehend eliminiert. Picker bleiben im Flow, und neue Mitarbeitende erreichen schnell Produktivität, was für ein stark wachsendes Team entscheidend ist.
Risikoreduzierte Investition. Das RaaS-Modell erlaubt kontinuierliche Skalierung ohne große Vorab-CAPEX-Wette. Wenn sich das Geschäft entwickelt, können Zonen und Flüsse softwareseitig neu konfiguriert werden.
Kerndaten
Standort: Elsdorf, Deutschland.
Fläche: 40.000 m² mit Erweiterungsoption.
Lagerung: Hochregal und Palettendichte für Fast-Mover-Rotation ausgelegt.
Roboter: ca. 40 beim ersten Go-live, ca. 350 in Vollskalierung.
Kapazität: ausgelegt für 45.000 Bestellungen/Tag und 300.000 Einheiten/Tag zum Start, Skalierung auf 60.000 Bestellungen/Tag und darüber hinaus im Peak.
Integrationen: Logistics Reply WMS, Vanderlande-Fördertechnik, Ranpak-Packaging, mit LocusONE-Orchestrierung und FastPick-Zonen.
Fazit und Ausblick
Das Projekt zeigt, warum flexible, software-definierte Lagerautomatisierung perfekt zu heutigen, promotionsgetriebenen E-Commerce-Modellen passt. Bei TQG liefert LocusONE den Durchsatz, der klassisch mit fixer G2P-Automatisierung verbunden ist, bleibt dabei aber vollständig anpassbar an rotierende Fast Mover, häufige Kampagnen-Peaks und schnelles Wachstum. Der Ramp-up zur größten Locus-Flotte Europas in weniger als acht Monaten macht Elsdorf zu einer Benchmark-Referenz für Hochleistungsautomatisierung ohne Flexibilitätsverlust.
Über die aktuelle Origin-basierte Pick-Operation hinaus eröffnet der Wachstumspfad von TQG bereits die nächsten Use Cases. Der B2B-Kanal gewinnt an Bedeutung, und gemeinsam evaluieren wir Locus Vector als ergänzenden Robotertyp für schwerere Transport- und Replenishment-Flows im Wholesale-Umfeld. Parallel prüft TQG Locus Array, die nächste Evolutionsstufe der Origin-Plattform, als zukünftige Option für noch höhere Dichte und KI-gestützte Aufgabenautomatisierung, während Volumen und SKU-Komplexität weiter steigen.
Das Robotics-as-a-Service-Modell ist der zentrale Enabler dieser Roadmap. Es erlaubt TQG, Flottengröße und Robotertypen über die Zeit flexibel zu steuern, ohne fixes Kapitalrisiko oder Bindung an eine einzige Automationsarchitektur. Kapazität kann mit Kampagnenintensität, Channel-Mix und SKU-Geschwindigkeit wachsen oder sinken, während die Orchestrierungsschicht konstant bleibt. So bleibt die Operation bereit für jedes künftige Nachfragemuster und unterstützt TQG dabei, eine Fulfillment-Engine aufzubauen, die in eine Zukunft skaliert, die sich nicht vorhersagen lässt.
Die Locus Robotics-Lösung LocusOne bei The Quality Group ist ein skalierbares AMR-basiertes Kommissioniersystem, das durch autonome mobile Roboter die Pickprozesse in der Lagerlogistik unterstützt und dynamisch an wechselnde Anforderungen angepasst werden kann. Die Funktionalität umfasst insbesondere die intelligente Auftragsverteilung, die Wegoptimierung sowie die flexible Integration zusätzlicher Roboter bei Bedarf. Der Gesamteindruck ist gut, wobei die Lösung insbesondere durch eine hohe Praxisnähe überzeugt. Die schnelle Implementierbarkeit sowie die anpassungsfähige Leistungsfähigkeit und robuste Systemfunktionalität sind dabei von großer Bedeutung. Besonders hervorzuheben ist die Effizienzsteigerung durch die Reduktion von Laufwegen sowie die einfache Skalierbarkeit. Die Benutzerfreundlichkeit wird durch intuitive Bedienkonzepte unterstützt. Einschränkungen ergeben sich jedoch durch systembedingte Grenzen, insbesondere bei hohem Pickvolumen pro Auftrag, was die Einsatzbreite begrenzt. Hier besteht Verbesserungspotenzial hinsichtlich der Erweiterung der Einsatzszenarien, zum Beispiel mit anderen mobilen Robotern.
Die Lösung ist als gute innovative Weiterentwicklung im Bereich der autonomen, mobilen Robotik zu bewerten. Während AMR-Systeme im Markt bereits etabliert sind, hebt sich LocusOne durch die konsequente Ausrichtung der Steuerung auf flexible Skalierbarkeit und schnelle Einsatzbereitschaft hervor. Die Möglichkeit, die Anzahl der eingesetzten Roboter kurzfristig an veränderte Durchsatzanforderungen anzupassen, stellt eine besonders praxisrelevante Eigenschaft dar. Im Vergleich zum Stand der Technik ist dies nicht vollständig neu, jedoch in dieser Ausprägung und Marktreife überzeugend umgesetzt. Die Innovation liegt somit weniger in einzelnen technologischen Durchbrüchen, sondern vielmehr in der intelligenten Kombination und Orchestrierung bestehender Technologien zu einem hochflexiblen Gesamtsystem. Dies ist im Wettbewerbsumfeld als signifikante Weiterentwicklung einzuordnen.
Die Lösung richtet sich insbesondere an Unternehmen mit stark variierenden Durchsatzanforderungen, saisonalen Schwankungen oder dem Bedarf an kurzfristig skalierbaren Logistikprozessen. Der Kundennutzen ist sehr gut, da die Lösung eine außergewöhnlich hohe Flexibilität bietet und sich schnell an veränderte Betriebsbedingungen anpassen lässt. Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit, Investitionsrisiken durch kurze Implementierungszeiten und flexible Nutzungsmodelle zu reduzieren. Unternehmen profitieren von einer schnellen Inbetriebnahme, einer hohen Prozessstabilität sowie einer deutlichen Reduktion der Laufwege der Kommissionierer. Auch der Return on Investment kann durch die bedarfsgerechte Skalierung positiv beeinflusst werden. Für spezifische Anwendungsfälle, wie im Beispiel von The Quality Group, ist die Lösung hervorragend geeignet. Eine Einschränkung ergibt sich aber beispielsweise bei sehr großen Pickvolumina pro Auftrag oder gleichmäßigen und gut prognostizierbaren Aufträgen, was jedoch vom jeweiligen Einsatzszenario abhängt.
Die Lösung adressiert den wachsenden Markt der automatisierten Kommissioniersysteme und insbesondere den Bereich der autonomen mobilen Roboter in der Intralogistik. Die Marktrelevanz ist gut, da flexible und skalierbare Lösungen zunehmend an Bedeutung gewinnen, insbesondere in dynamischen Märkten mit schwankender Nachfrage. Im Vergleich zum Stand der Technik positioniert sich LocusOne als eine besonders anpassungsfähige und wirtschaftlich attraktive Lösung für spezifische Anforderungen. Die Stärken liegen vor allem in der schnellen Implementierung und der hohen Anpassungsfähigkeit an veränderte Betriebsbedingungen. Für Unternehmen mit stabilen und sehr hohen Pickvolumina kann die Relevanz hingegen eingeschränkt sein. Insgesamt ist die Lösung jedoch für eine klar definierte Zielgruppe von hoher Bedeutung und bietet in diesem Segment überzeugende Wettbewerbsvorteile.
Die Lösung überzeugt durch einen sehr hohen Kundennutzen, insbesondere durch ihre vorbildlich gelöste Flexibilität und Skalierbarkeit bei stark variierenden Durchsatzanforderungen. In Kombination mit guter Funktionalität und Innovationsleistung entfaltet sie eine klare Wirkung im Marktsegment dynamischer Kommissioniersysteme, auch wenn die Einsatzbreite funktional begrenzt bleibt.
| Funktionalität / Art der Umsetzung | + |
| Neuheit / Innovation | ++ |
| Kundennutzen | ++ |
| Marktrelevanz | + |
| ++ sehr gut / + gut / Ø ausgeglichen / − weniger / −− nicht vorhanden | |
Quellennachweis für Bilder/Videos: Locus Robotics
Finalisten durchlaufen im Rahmen des IFOY Audit, das im Rahmen des TEST CAMP INTRALOGISTICS stattfindet, das dreistufige IFOY Audit. Dieses besteht aus dem wissenschaftlichem IFOY Innovation Check, dem IFOY Test und dem Jurytest.
In den Statuten sind die Grundwerte und die Standards des IFOY AWARD festgelegt, nach denen die Organisation handelt. Dazu gehören unter anderem Gremien, Wahlomodus, Bewertungskriterien sowie der Code of Conduct.
Der International Intralogistics and Forklift Truck of the Year verfügt über drei Gremien: Jury, Träger und Fachbeirat.