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LocusONE at The Quality Group

Locus Robotics

Vom Greenfield-Start zum Peak-Ready-Betrieb in acht Monaten: LocusONE orchestriert bis zu 350 Locus Origin AMRs im 40.000 m² großen Fulfillment-Center der Quality Group in Elsdorf. Für die stark wachsenden Marken ESN und More Nutrition, deren influencer-getriebene Kampagnen jede SKU über Nacht zum Topseller machen können, reagiert die LocusONE-Plattform sofort. Aufgaben und Roboter werden in Echtzeit entlang der Nachfrage neu verteilt, sodass der Durchsatz unabhängig davon hoch bleibt, für welche Produkte gerade die Nachfrage explodiert. Die Operation skalierte in nur acht Monaten von 40 auf 350 Roboter und zeigt, dass flexible, software-definierte Automatisierung heute den Durchsatz fixer Systeme erreicht, ohne die Anpassungsfähigkeit zu verlieren, die moderne E-Commerce-Modelle brauchen.

Produktname und Firma

LocusONE at The Quality Group – Locus Robotics

Kategorie

Kunde

The Quality Group

Umsetzungszeitrum

Von:

06.01.2025

Bis:

31.12.2025

Investitionsvolumen

300.000 €

Case Study

Die Quality Group (TQG) ist eines der am schnellsten wachsenden E-Commerce-Unternehmen Deutschlands im Bereich Functional Food und Sporternährung. Mit ihren Marken ESN und More Nutrition verbindet TQG hochwertige, überwiegend in Deutschland lokal produzierte Produkte mit einem stark digitalen, influencer-getriebenen Go-to-Market-Ansatz. Häufige Produktlaunches, limitierte Drops und wöchentliche Promotions erzeugen kurze, starke Peaks und schnell wechselnde Nachfragemuster. Damit ist die SKU-Geschwindigkeit nicht stabil. Jedes Produkt kann über Nacht zum Fast Mover werden, und das Set der A-Mover verändert sich mehrfach im Monat.

Ausgangssituation und Projektziele

TQG hat in Elsdorf ein neues Greenfield-Fulfillment-Center mit 40.000 m² gebaut, um das starke Wachstum zu unterstützen und das Netzwerk zu konsolidieren. Zwei zuvor getrennte Lagerstandorte wurden nach Elsdorf verlagert, sodass TQG das Fulfillment zentralisieren, Prozesse vereinfachen und den bisherigen Hauptstandort planmäßig schließen konnte, um ihn zu einem zweiten Produktionsstandort umzubauen. Die Anlage in Elsdorf wurde dafür ausgelegt, initial rund 45.000 E-Commerce-Bestellungen pro Tag und 300.000 Einheiten pro Tag zu verarbeiten und in Peak-Zeiten schnell auf 60.000 Bestellungen pro Tag und darüber hinaus zu skalieren. Zentrale Anforderung war eine Fulfillment-Lösung, die Goods-to-Person-Durchsatzniveau liefert, ohne das Geschäft in starre, fixe Automatisierung und hohe CAPEX-Investitionen zu zwingen. TQG brauchte maximale Performance mit der Flexibilität, Flüsse, Zonen und Fast-Mover-Platzierung laufend an Kampagnen und Trendwechsel anzupassen, bei gleichzeitig schlanker, überwiegend OPEX-basierter Automationsinvestition.

Herausforderungen

Das Projekt wurde durch vier Realitäten des Geschäftsmodells und der Netzwerkstrategie von TQG geprägt.

  • Erstens ist Volatilität strukturell. Influencer-Kampagnen und Drops erzeugen massive Nachfragespitzen in einem kleinen, rotierenden SKU-Subset. Die Operation muss der Nachfrage sofort folgen.
  • Zweitens sind Peaks häufig, nicht nur saisonal. Events wie ESN Week und Black Week erfordern mehrmals pro Jahr sprunghafte Kapazitätsanpassungen.
  • Drittens war Elsdorf kein zusätzlicher Standort. Er ersetzte zwei bestehende Lageroperationen, und TQG musste den bisherigen Hauptstandort innerhalb eines definierten Zeitplans schließen, um ihn in eine zweite Produktion umzuwandeln. Das machte einen schnellen Ramp-up des neuen Gebäudes auf relevante Größenordnung zwingend, ohne lange Automationsbauphasen abzuwarten.
  • Viertens würde jede fixe AS/RS- oder Goods-to-Person-Automatisierung verlangen, Produkte von Inbound-Paletten in Totes oder Behälter zu umzupacken, bevor sie eingelagert und gepickt werden. Dieser zusätzliche Handling-Schritt erhöht Zeit, Arbeit und Komplexität und funktioniert nicht, wenn Fast-Mover permanent rotieren. Für TQG wäre Decanting (Umpacken bzw. Umfüllen von Waren – meist aus der Originalverpackung in eine andere Transporteinheit) nur um die Ware kurz darauf wieder zu picken, reine Verschwendung und widerspricht dem Kernbedarf: maximaler Durchsatz ohne Verlust an Flexibilität.

Die Lösung

Locus Robotics hat die LocusONE-Plattform mit einer Flotte von Locus Origin AMRs ausgerollt. LocusONE ist an das Logistics Reply WMS von TQG angebunden und orchestriert Roboter und Mitarbeitende in Echtzeit über mehrere Hallen und Pick-Zonen hinweg. Das System folgt zwei Prinzipien: erstens software-getriebene Orchestrierung, die Arbeit sofort neu verteilen kann, wenn Kampagnen die Nachfrage verschieben; zweitens skalierbare Robotikkapazität, die mit dem Bedarf wächst, statt eine einmalige Überdimensionierung zu erzwingen.

Stufenweiser Ramp-up bis zur Vollskalierung
Der Rollout folgte einem bewusst gestuften Ramp-up, der das Wachstum von TQG und den Aufbau der neuen Anlage spiegelte.

  • Phase 1: Go-live mit rund 40 Robotern in einer temporären Paletten-Pick-Zone, während die finale Infrastruktur noch aufgebaut wurde. So konnte TQG sofort aus Elsdorf heraus versenden.
  • Phase 2: Erweiterung in das Hochregallager und Ausbau der Flotte auf über 100 Roboter. LocusONE nahm Layout-Änderungen über Konfiguration auf, ohne strukturelles Redesign.
  • Phase 3: Einbindung der zweiten und dritten Halle sowie Rollout von FastPick-Zonen für Hochgeschwindigkeits-SKUs, mit weiterer Flottenskalierung zur Unterstützung steigender Volumina.
  • Phase 4: Vollskalierung mit rund 350 Robotern über drei verbundene Hallen, erreicht in weniger als acht Monaten nach dem ersten Go-live. Der Standort läuft heute mit Peak-Tageskapazität bei abgestimmten Pick-, Pack-, Fördertechnik- und Outbound-Prozessen.

Dieser stufenweise Ansatz ist ein zentrales Innovationselement. Statt TQG in einen starren Automations-Zeitplan zu drücken, wuchsen Robotikkapazität und Orchestrierung genau dann, wenn die Nachfrage es erforderte.

FastPick für rotierende Fast Mover
Ein zentrales Element der Lösung ist LocusONE FastPick. TQG nutzt dedizierte FastPick-Zonen in breiten Gängen bzw. Gravity-Rack-Bereichen, in denen Bots bedarfsabhängig zu Pick-Walls clustern. Diese Zonen sind gezielt für SKU-Volatilität ausgelegt. Wenn Kampagnen wechseln und neue Produkte zu A-Movern werden, slotet TQG diese SKUs in die FastPick-Zone um und LocusONE konzentriert automatisch Roboter und Arbeit auf den neuen Nachfrage-Peak. Falls ein Umslotten nicht rechtzeitig möglich ist, bleibt die Performance dennoch stabil: LocusONE kann auch in Standardzonen eine Pick-Wall bilden und Bots dynamisch dorthin ziehen, wo der neue Fast Mover liegt, sodass der Durchsatz gesichert ist, bevor das Layout physisch angepasst wird. Paletten werden von hinten über dedizierte Nachschublanes replenished, wodurch Hochgeschwindigkeits-Picking ohne Decanting in fixe Systeme möglich bleibt. So erreicht TQG sehr hohen Durchsatz bei Fast Movern, während die Platzierung voll flexibel bleibt.

Integrationen und Prozessfluss
Das Locus-System läuft parallel zur übrigen Automationslandschaft in Elsdorf, einschließlich Vanderlande-Fördertechnik und Ranpak-On-Demand-Packaging. Die Roboter speisen gepickte Aufträge in den Downstream-Flow ein, während Fördertechnik und Verpackung Transport, Kartonerstellung und finale Paketverarbeitung übernehmen. LocusONE liefert Echtzeit-Transparenz und Workload-Balancing über die Pick-Zonen hinweg.

Kundennutzen

Die integrierte Lösung liefert klare Ergebnisse entlang der Ziele von TQG.

Durchsatz auf Niveau fixer Automatisierung bei erhaltener Flexibilität. FastPick-Bereiche ermöglichen Goods-to-Person-Produktivität bei Hochgeschwindigkeits-SKUs ohne Decanting oder starre Infrastruktur. TQG erreicht High-Density-Picking mit minimalem Laufen und konstantem Bot-Zulauf an den Stationen.
Sofortige Anpassung an Nachfragewechsel. LocusONE verteilt Roboter und Tasks in Echtzeit neu, sodass jede SKU, die zum Fast Mover wird, unmittelbar aufgefangen wird, ohne Hardware umzubauen.
Peak-Resilienz durch skalierbare Robotik. Die Flotte wuchs in acht Monaten von 40 auf 350 Roboter, inklusive temporärer Peak-Bots während Kampagnen (30 zusätzliche Bots für Black Week). Das reduziert große Arbeitsspitzen und vermeidet Überdimensionierung fixer Automatisierung.
Schneller Time-to-Value. Der Standort ging weniger als 90 Tage nach Vertragsabschluss live und erreichte die volle Drei-Hallen-Skalierung deutlich früher als geplant.
Bessere Ergonomie und schneller Ramp-up neuer Mitarbeitender. Laufen ist in FastPick-Zonen weitgehend eliminiert. Picker bleiben im Flow, und neue Mitarbeitende erreichen schnell Produktivität, was für ein stark wachsendes Team entscheidend ist.
Risikoreduzierte Investition. Das RaaS-Modell erlaubt kontinuierliche Skalierung ohne große Vorab-CAPEX-Wette. Wenn sich das Geschäft entwickelt, können Zonen und Flüsse softwareseitig neu konfiguriert werden.

Kerndaten

Standort: Elsdorf, Deutschland.
Fläche: 40.000 m² mit Erweiterungsoption.
Lagerung: Hochregal und Palettendichte für Fast-Mover-Rotation ausgelegt.
Roboter: ca. 40 beim ersten Go-live, ca. 350 in Vollskalierung.
Kapazität: ausgelegt für 45.000 Bestellungen/Tag und 300.000 Einheiten/Tag zum Start, Skalierung auf 60.000 Bestellungen/Tag und darüber hinaus im Peak.
Integrationen: Logistics Reply WMS, Vanderlande-Fördertechnik, Ranpak-Packaging, mit LocusONE-Orchestrierung und FastPick-Zonen.

Fazit und Ausblick

Das Projekt zeigt, warum flexible, software-definierte Lagerautomatisierung perfekt zu heutigen, promotionsgetriebenen E-Commerce-Modellen passt. Bei TQG liefert LocusONE den Durchsatz, der klassisch mit fixer G2P-Automatisierung verbunden ist, bleibt dabei aber vollständig anpassbar an rotierende Fast Mover, häufige Kampagnen-Peaks und schnelles Wachstum. Der Ramp-up zur größten Locus-Flotte Europas in weniger als acht Monaten macht Elsdorf zu einer Benchmark-Referenz für Hochleistungsautomatisierung ohne Flexibilitätsverlust.

Über die aktuelle Origin-basierte Pick-Operation hinaus eröffnet der Wachstumspfad von TQG bereits die nächsten Use Cases. Der B2B-Kanal gewinnt an Bedeutung, und gemeinsam evaluieren wir Locus Vector als ergänzenden Robotertyp für schwerere Transport- und Replenishment-Flows im Wholesale-Umfeld. Parallel prüft TQG Locus Array, die nächste Evolutionsstufe der Origin-Plattform, als zukünftige Option für noch höhere Dichte und KI-gestützte Aufgabenautomatisierung, während Volumen und SKU-Komplexität weiter steigen.

Das Robotics-as-a-Service-Modell ist der zentrale Enabler dieser Roadmap. Es erlaubt TQG, Flottengröße und Robotertypen über die Zeit flexibel zu steuern, ohne fixes Kapitalrisiko oder Bindung an eine einzige Automationsarchitektur. Kapazität kann mit Kampagnenintensität, Channel-Mix und SKU-Geschwindigkeit wachsen oder sinken, während die Orchestrierungsschicht konstant bleibt. So bleibt die Operation bereit für jedes künftige Nachfragemuster und unterstützt TQG dabei, eine Fulfillment-Engine aufzubauen, die in eine Zukunft skaliert, die sich nicht vorhersagen lässt.

Quellennachweis für Bilder/Videos: Locus Robotics

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