Wo wird die Intralogistik in zehn Jahren stehen, Herr Scholze?
Wo wird die Intralogistik in zehn Jahren stehen?
Der Blick in die Glaskugel: In den nächsten zehn Jahren wird sich die wirtschaftliche Lage, getrieben durch Faktoren wie Energiekosten, Rohstoffmangel oder Personalverfügbarkeit, kaum entspannen. Die Intralogistik wird sich wie immer findig und schnell an sich ändernde Rahmenbedingungen anpassen, um weiterhin als verlässliches Versorgungsrückgrat zu agieren. Dafür müssen allerdings umfassende Transformationen durchlaufen und erhebliche technologische Umbrüche akzeptiert werden. Es gilt die Beziehungen zwischen Mensch und Maschine neu zu verstehen – eine tiefverzahnte Zusammenarbeit wird zukünftig unumgänglich sein.
Beitragen wird dazu die Auflösung von physischen und digitalen Grenzen durch den Einsatz von Augmented und Virtual Reality – die ganz neue Ebenen der Interaktion und Visualisierung in der Logistik schaffen. Autonome Logistiksysteme bilden intelligente Netzwerke, die sich in Echtzeit an aktuelle Marktbedürfnisse anpassen – und immer neue Kommunikationsstandards sorgen für durchgängigen Datenaustausch.
Biobasierte Materialien und lebende Mikroorganismen werden verstärkt in Logistiksysteme integriert – beispielsweise Biowerkstoffe für den Regal- und Fahrzeugbau, als Stahlersatz, Bioenergie für Licht- und Antriebstechnik, da Strom unerschwinglich sein wird, oder Mikroorganismen, die in biologisch abbaubaren Verpackungsmaterialien oder bei der Produktcodierung Einsatz finden. Null-Emissions-Logistikzentren sind dann Normalität, angetrieben durch erneuerbare Energien, mit konsequentem Fokus auf Wertstoffrecycling, mit gelebter Kreislaufwirtschaft und geleitet durch tiefimplementierte Energiemanagementsysteme.
Die Steuerung der Lieferketten obliegt in zehn Jahren der Verantwortung der Bits und Bytes von KI 4.0- oder bis dahin KI 10.0-Systemen, die die Intralogistik zu einem dynamischen, sich ständig selbstoptimierenden Ökosystem werden lassen.
Wie sehr hat der Fokus auf Nachhaltigkeit die Intralogistik verändert?
Die Betrachtung der Nachhaltigkeit, als elementarer Parameter bei System- und Prozessbewertungen, hat in der Intralogistik für deutliche Veränderungen gesorgt. Im Spannungsfeld zwischen Effizienz und Nachhaltigkeit hat eine Umstellung von leistungsorientierten Lösungen zu solchen stattgefunden, die einen niedrigen ökologischen Fußabdruck aufweisen. In Distributionszentren kommen jetzt verstärkt emissionsfreie Flurförderzeuge zum Einsatz, die Entwicklung neuer Batterietypen steht hoch im Kurs und mit praktikablen Brennstoffzellen wird vielleicht schon die Nachfolgetechnologie aus der Taufe gehoben. Bei Logistikanlagen wird der Energieverbrauch immer weiter reduziert und gipfelt in „Dark Warehouse“-Konzepten – die vollautomatisiert arbeiten, dabei aber unbeleuchtet und nur minimal beheizt sind. Klassische Abfallentsorgung ist nicht mehr – mit Recycling- und Kreislaufwirtschaftskonzepten wird auf Wertstofferhalt und Weiternutzung gesetzt. Nachhaltigkeit ist heute kein „netter“ Zusatzaspekt mehr, sondern ist bei vielen Intralogistikern fest in der Unternehmensstrategie verankert.
Welche Trends sind gerade besonders auffallend in der Intralogistik?
Derzeit lassen sich in der Intralogistik deutliche Trends zur Digitalisierung und Automatisierung feststellen. Zudem versuchen viele Intralogistiker ihre komplexen Prozesse durch Vernetzung der logistischen Systeme einfacher zu gestalten beziehungsweise durch Einsatz von KI ihre Steuerungs- und Analyse-Möglichkeiten zu optimieren. Des Weiteren sind große Entwicklungsschritte im Bereich von autonomen Fahrzeugen (FTS) und mobilen Robotern (AMR) zu verzeichnen. Betreiber von Logistikzentren haben den Nutzwert dieser Geräte erkannt, die mittlerweile in der Lage sind, selbstständig zu navigieren und wiederkehrende Aufgaben zuverlässig zu erfüllen, um Mitarbeiter für die Durchführung von wichtigeren Tätigkeiten einzusetzen.
Was erwarten Sie von einem IFOY Bewerber?
Von einem IFOY Bewerber erwarte ich die Vorstellung eines innovativen, technisch erprobten Produkts, einer neuartigen Anwendung oder einer durchdachten Detailverbesserung eines bestehenden Logistiksystems. Der Kandidat, der sich für eine der begehrten IFOY-Auszeichnungen bewirbt, sollte entweder eine deutliche Leistungssteigerung liefern, eine spürbare Erhöhung des Nutzwertes für den Anwender bieten oder die Betriebssicherheit für die Bediener weiter verbessern – sei es durch den Einsatz zukunftsweisender Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) oder durch Nutzung neuester Entwicklungen aus Bereichen wie Fahrzeugbau, Lagerlogistik oder Informationstechnologie. Darüber hinaus ist die Nachhaltigkeit der Einreichung ein wichtiger Aspekt – diese sollte, sowohl während der Herstellung als auch später im Betrieb, zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks beitragen.