Krise? Was für eine Krise?

Hersteller von Robotik und Intralogistiklösungen fordern Veränderungen aus der Politik, damit Unternehmen wieder mehr Planbarkeit haben und in neue Anlagen investieren. So lautete eine Kernaussagen aus dem Panel „Crisis – what crisis? Where does the industry go to?“, die Thilo Jörgl vom Management des TEST CAMP INTRALOGISTICS moderiert wurde. Beim TEST CAMP INTRALOGISTICS waren auch die IFOY Finalisten 2025 vertreten.

Dr. Wolfgang Hackenberg, der als Vorstandsmitglied die VDMA-Fachabteilung Fahrerlose Transportsysteme vertrat, verwies darauf, dass die deutschen Hersteller bei den Absätzen aktuell unter den strukturellen Problemen der Automobilindustrie und Schwächen in der Wettbewerbsfähigkeit litten. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Prognose des VDMA von Ende Januar. Für 2025 prognostiziert der Branchenverband für den Bereich Robotik und Automatisierung einen Rückgang beim Gesamtumsatz von minus neun Prozent auf 13,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig betonte er, dass es erhebliche Unterschiede in den Absatzmärkten 2024 gegeben habe. Lichtblick für die deutsche Robotik und Automation ist dem VDMA zufolge die Eurozone gewesen: Die Auftragseingänge aus den Euroländern stiegen 2024 um 44 Prozent.

In diesem Zusammenhang verwies auch Simon Houghton, Sales Director Northern Europe beim chinesischen Hersteller Geekplus darauf, dass man stark zwischen den Ländern differenzieren müssen: „Die Geschäfte in China laufen bei uns gut“, so Houghton. Auch in Europa habe es in jüngster Zeit „interessante Gespräche“ gegeben.

Damit die Branche in Deutschland wieder in Schwung komme, müsse die Politik die Weichen neu stellen und für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit sorgen, sagte Markus Schlotter, Managing Director Central Europe & Nordics bei Exotec. „Die Pipelines mit Großprojekten waren bei vielen jahrelang voll, aber im vergangenen Jahr sind viele Vorhaben verschoben worden“, so Schlotter. Er verwies zudem darauf, dass ein Handelskrieg mit Zöllen und Gegenzöllen die Hersteller in Europa schwächen könnte.

Einen Impuls für die Branche erwarten viele Hersteller laut Sascha Jordan, Senior Director Strategy & Solution Portfolio bei STILL, von einfachen Automatisierungslösungen. „Sie sind günstiger geworden und die Einstiegshürde in Automatisierungen sind niedriger als noch vor einigen Jahren“, so Jordan. Seiner Meinung nach eröffnen sich somit auch für viele Mittelständler, die bisher große Automatisierungsprojekte scheuten, neue Perspektiven. „Automatisierung kann in kleinen Schritten große Erfolge habe. Man muss nicht mit einer großen vollautomatisierten Anlage einsteigen“, so Jordan.

Insgesamt nahmen die Vertreter der Hersteller bei den großen Frühjahrsmessen, etwa der LogiMAT, eine bessere Stimmung als noch im Vorjahr war. „Wir hatten Gespräche mit konkreten Projektvorhaben“, berichtete Schlotter. Einen Schub erwarten sich viele von der Weiterentwicklung neuer Technologien – allen voran Künstliche Intelligenz. „Ob industrielle Bildverarbeitung oder Robotik – in der Intralogistik finden sich viele Anwendungsfälle für Künstliche Intelligenz“, sagte Simon Houghton. Vom Trendthema humanoide Roboter erwartet hingegen Dr. Wolfgang Hackenberg keine revolutionären Anwendungsfälle in der Intralogistik: „Für viele Prozesse reichen mobile Roboter mit Greifarmen aus – humanoide Roboter sind dafür nicht nötig – und letztlich zu teuer“, so Hackenberg.

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