IFOY Audit
Finalisten durchlaufen im Rahmen des IFOY Audit, das im Rahmen des TEST CAMP INTRALOGISTICS stattfindet, das dreistufige IFOY Audit. Dieses besteht aus dem wissenschaftlichem IFOY Innovation Check, dem IFOY Test und dem Jurytest.
Produktname und Firma
Erweiterung des Automatiklagers Hase Safety Gloves GmbH – STILL
Kategorie
Integrated Customer Solution
Kunde
Umsetzungszeitrum
Von:
Bis:
30.10.2021
Investitionsvolumen
€




Mehr als 70 Jahren bildet die Herstellung von Arbeitshandschuhen das Kerngeschäft der Hase Safety Group AG im friesischen Jever. Bis heute steht der Kurs klar auf Wachstum. Darum wurde kürzlich ein Erweiterungsbau erstellt.
Die Aufgabenstellung lautete, eine höhere Lager- und Transporteffizienz zu erreichen. Eine besondere Herausforderung dabei stellte der Umbau im laufenden Betrieb dar. Dort sind neue Logistikflächen, ein Innovationszentrum mit Kundenschulungen, die Produktentwicklung und Produktdarstellung untergebracht. Theodor Wagner, Vorstand der Hase Safety Group AG, betont: „Nur so können wir den wachsenden Bedarf für neue Produkte decken. Mehr Warenumschlag für unser europaweites Kundengeschäft erfordert auch mehr Lagerkapazität sowie eine effiziente und wirtschaftliche Lagerhaltung.“
Höhere Produktivität durch mehr Automatisierung
Für kurze Wege sind die verschiedenen Artikel in Kartons verpackt und nach der ABC-Analyse übersichtlich und sortenrein auf Paletten im Schmalganglager eingelagert. Alle Automated Guided Vehicles (AGV) navigieren sicher und selbstständig dank rotierender Laserscanner, die fortwährend den Abstand zu den installierten Reflektoren messen. Drei MX-X Schmalgangstapler und sechs EXV-SF Hoch-Hubwagen der neuesten Generation wurden jeweils mit dem iGo Systems Automatisierungskit von STILL ausgestattet.
Beim Eingang eines Überseecontainers wird die kartonierte Ware per Teleskopförderband und Vakuum-Hebehilfe durch Hase-Mitarbeiter sortenrein palettiert und auf die Wareneingangsplätze verteilt. Maximilian Engels, Projektleiter und IT-Administrator von Hase Safety, erläutert: „Die Prozesse im Wareneingang haben wir weitgehend automatisiert. Durch manuelles Scannen, sowohl der Stellplätze als auch der Artikel, werden nun in unserem IT-System die automatisierten Einlagerungen ausgelöst.“
EXV Hoch-Hubwagen holen die fertigen Paletten ab und fahren sie durch die Konturenkontrolle. Dort wird gemessen, ob die Palette passende Maße aufweist oder etwa zu lang, zu breit oder zu hoch ist. Nach der Prüfung fährt ein EXV die Palette zum Übergaberegal im Schmalganglager. Dort wird sie von einem der automatisierten MX-X Hochregalstapler abgeholt und im zugewiesenen Stellplatz eingelagert.
Bei einer Auslagerung transportiert umgekehrt ein MX-X die entsprechende Palette zum Übergabeplatz. Diese wird wiederum vom EXV abgeholt und entweder zum Übergaberegal des manuellen Kommissionierlagers oder direkt zu den Versandspuren der Lkw transportiert. Sind die Ein- bzw. Auslagerungen erledigt, fahren die AGV automatisch in ihre Wartepositionen. Alle MX-X sind mit Teleskopgabeln ausgerüstet, da die Gassen bei Hase Safety deutlich schmäler sind und sich für Hochregalstaplern mit Schwenkschubgabeln nicht anbieten.
Im Vergleich zu einem Einsatz von Hochregalstaplern mit Schwenkschubgabeln können die Gassen bei Hase Safety daher sehr viel schmaler sein. Dank der Teleskopgabeln konnten sowohl die Lagerdichte als auch die Lagerkapazität deutlich erhöht werden.
Durch identische Komponenten, Steuerungen und Schnittstellen werden die Stapler zu leistungsfähigen AGV. „Eine Folge der Fahrkursoptimierungen ist eine geringere Anzahl an Transportaufträgen und damit verbunden weniger Bewegung der AGV. Dadurch hat sich auch die Sicherheit im Lager deutlich verbessert. Durch die enge Zusammenarbeit unseres Teams mit den Projektverantwortlichen von STILL konnten wir trotz der Corona-Pandemie die Software und die Hardware unseres Automatiklagers erfolgreich reorganisieren. Für zukünftige Herausforderungen sind wir also bestens gewappnet“, betont Maximilian Engels.
Autonomes Aufladen der Fahrzeugbatterien
Die moderne Photovoltaikanlage auf der über 10.000 Quadratmeter großen Dachfläche liefert grünen Strom zum Aufladen der Staplerbatterien. Lars Lemke, Projektleiter der STILL Niederlassung Bremen, hebt hervor: „Zum Laden der Batterien fahren die AGV selbstständig zu ihren Ladestationen. Ohne ein Kabel anschließen zu müssen, erfolgt die Aufladung der Batterie lediglich per Bodenkontakt. Dies ist ein weiteres Highlight: Denn jetzt können auch in der Nacht und ohne zusätzliches Personal die AGV ihre Batterien autonom aufladen.“
Ein-Schicht-Betrieb weiterhin möglich
Die Überseecontainer aus Bremerhaven werden nicht nur tagsüber, sondern auch am Abend angeliefert. Der erfahrene Unternehmer Theodor Wagner verdeutlicht: „Mit der Reorganisation unseres Automatiklagers können wir nun auch ohne Personalbedarf in den Abendstunden bzw. über Nacht die Einlagerungen automatisiert vornehmen. Dies ist ein wichtiger Anspruch an die neuen Prozesse. Bei den stetig steigenden Anforderungen am Markt können wir mit der neuen Anlage so unseren Ein-Schicht-Betrieb weiterhin aufrechterhalten.“
Maximale Flexibilität im skalierbaren Automatiklager
Aufgrund der Skalierbarkeit des Automatiklagers kann bei größeren Kapazitätsanforderungen mit zusätzlichen AGVs schnell und flexibel reagiert werden. Für den künftigen Bedarf stehen nun insgesamt 10.000 Palettenstellplätze zur Verfügung. Dass die AGVs für besondere Lagerprozesse auch manuell bedienbar sind, unterstreicht die Flexibilität im Automatiklager.
Fazit
Für zukünftige Anforderungen ist das moderne Distributionszentrum mit dem iGo Automatiklager von STILL bestens gerüstet. Kundenwünsche und Anforderungen der Großkunden können erfüllt und die Produkte europaweit und zeitnah ausgeliefert werden. „Start der ersten Automatisierungswelle unserer Logistik war bereits 2010. In den letzten Jahren haben wir unser Automatiklager stetig ausgebaut und im jüngsten Projekt auf den neuesten Stand gebracht. Seit über 30 Jahren haben wir dabei mit STILL einen zuverlässigen Partner an unserer Seite, der sehr schnell unsere Ideen in die Realität umsetzt“, fasst Theodor Wagner zusammen. Mit der bei Hase Safety Gloves umgesetzten Automatisierungslösung können auch viele andere Mittelstandsunternehmen ihre Logistikprozesse fit für die Zukunft machen – es zeigt sich einmal mehr, dass Automatisierung für jede Unternehmensgröße ein Thema ist.
Hase Safety Gloves hat mithilfe von Still die Regalanlage seines Automatiklagers erweitert und die Prozesse effizienter gemacht – im laufenden Betrieb. Durch die Automatisierung der Anlage wurden zwar vier bis fünf Arbeitsplätze ersetzt, gleichzeitig hat man aber durch die Lagervergrößerung um 200 Prozent 15 neue Arbeitsplätze geschaffen.
80 Mitarbeitende, davon 70 am Hauptsitz in Jever, kümmern sich bei Hase Safety Gloves um ein- und ausgehende Arbeitssicherheitskleidung, die vorwiegend per Container aus Fernost kommt. Von den 12.000 Quadratmetern Lagerfläche bei Hase sind inzwischen alleine rund 7.000 Quadratmeter automatisiert, von den insgesamt 13.000 Stellplätzen im Lager können knapp 7.000 Stellplätze der Automatisierung zugerechnet werden. Mit einer 10.000 Quadratmeter umfassenden Photovoltaikanlage auf dem Dach werden zudem die im Lager eingesetzten Gabelstapler aufgeladen. Apropos Gabelstapler: Bei Hase wird erfolgreich nach dem „Mixed-Operations“-Betrieb gearbeitet: Stapler und Personal können sich begegnen, man hat bewusst auf den Einsatz von Schutzzäunen verzichtet.
Wenn Mitarbeiter nach dem Wareneingang eine gefüllte Palette auf einen Platz in der Bereitstellungsbahn setzen, bedeutet das gleichzeitig einen Fahrauftrag für ein Still-Gerät – es geht ab ins Lager oder Cross-Docking direkt weiter zum Warenausgang. Bei Hase gibt es automatische Ganzauslagerungen, aber auch manuelles Order-Picking. Bis es so weit ist, durchläuft die Palette vorher einen sogenannten Konturen-Check: ein Tor mit einem Laser-Vorhang, der Toleranzen der Palette eliminiert, damit das Automatiklager keinen „Bremsklotz“ einlagert – denn sonst steht die Anlage. Wird ein Fehler festgestellt, wird die Palette sofort zum Nicht-in-Ordnung-(NiO-)Platz weitergereicht und das Problem beseitigt. Zum Einsatz kommen bei Hase drei automatisierte MX-X-Schmalgangstapler und sechs EXV-SF-Hochhubwagen der neuesten Generation, die alle mit dem iGo-Systems-Automatisierungs-Kit von Still ausgerüstet sind. Die EXV holen die sortenrein palettierte Ware am Wareneingangsplatz ab und bringen sie zum Übergaberegal im Schmalganglager, wo sie von einem der automatisierten MX-X-Geräte abgeholt und im zugewiesenen Stellplatz eingelagert wird. Beim Auslagern geschieht dieser Prozess in umgekehrter Reihenfolge. Haben die AGVs ihre Arbeit verrichtet, fahren sie automatisch in ihre Warteposition.
Ein Novum für Hase: Ein Wechselgang in der Mitte der Anlage, der zusammen mit einer Sprühnebelwand die sonst notwendige Brandschutzwand ersetzt, ermöglicht es den Gabelstaplern gleichzeitig, von einem Regalgang in einen anderen zu fahren, ohne an den Anfang des Regals zurückkehren zu müssen. Dabei fahren die Stapler im manuellen Bereich grundsätzlich im Ein-Schicht-Betrieb. Über Nacht wird dann nach dem „Opportunity-Charging“-Prinzip autonom aufgeladen, und zwar Blei-Säure-Batterien, die in dieser Anwendung wirtschaftlicher sind als Lithium-Ionen-Akkus. Die Regalgassen bei Hase können viel schmaler sein als normalerweise üblich: Im Vergleich zum Einsatz von Hochregalstaplern mit Schwenkschubgabel brauchen die mit einer Teleskopgabel ausgerüsteten MX-X deutlich weniger Platz, was sich vorteilhaft auf Lagerdichte und Lagerkapazität auswirkt.
Weil die Überseecontainer aus Bremerhaven nicht nur tagsüber, sondern auch am Abend angeliefert werden, ist es für Hase von Vorteil, dass mit der Reorganisation des Automatiklagers jetzt auch ohne Personalbedarf in den Abendstunden beziehungsweise in der Nacht Ware automatisch eingelagert werden kann. So kann der bestehende Ein-Schicht-Betrieb weiterhin aufrechterhalten werden.
Still hat Hase mit seiner Automatisierungslösung auf den neuesten Stand der Technik gebracht und zukunftsfähig gemacht. Mit der bei Hase umgesetzten iGo-Automatiklager-Lösung können auch andere Mittelständler ihre Prozesse verschlanken und auf den neuesten Stand bringen. Automatisierung, und das hat Still eindrucksvoll unter Beweis gestellt, ist ein Thema für (beinahe) jede Unternehmensgröße.
Die Erweiterung bestehender Logistikstandorte ist ein häufig in der Praxis auftretender Fall. Die Veränderung der eigenen Produkte oder Produktionsabläufe, aber vielleicht noch mehr das geänderte Verhalten der Kunden mit dem Fokus auf Produktverfügbarkeit und kurzfristige Belieferung machen häufig Änderungen erforderlich. Von Änderungen betroffen können dann sowohl der Aufbau als auch die Abläufe sein. Das Beispiel bei der Firma Hase zeigt einen besonderen Fall auf, da die Möglichkeiten der Anpassungen im Layout sehr stark durch die verfügbare Grundfläche für Erweiterungen eingeschränkt waren. Außerdem hat der Eigentümer den unbedingten Willen zur Automatisierung an erste Stelle gebracht, wohingegen die Wirtschaftlichkeit einer Anwendung bei den meisten Anwendern die höchste Priorität einnimmt. Aus genannten Gründen ist die Marktrelevanz deshalb als gut zu bewerten, da die Lösung nicht uneingeschränkt auf die meisten Erweiterungsfälle übertragbar ist.
Gemessen an den eigenen Zielen hat der Kunde Hase sicher seine Ziele im hohen Maße erreicht. Mit Blick auf den allgemeinen Fall resultiert aus den zuvor genannten Gründen aber eine Beschränkung auf einen guten Kundennutzen.
Die spezifische Erweiterung des Lagers bei der Firma Hase ist gut gelöst und die Umsetzung mit hochmodernen Fahrzeugen auch auf aktueller Höhe der verfügbaren Technologien. Die Innovation resultiert aus der sachgerechten Kombination der bekanntermaßen gut funktionierenden Gewerke in einem sehr stark limitierten Umfeld. Ähnliche Lösungen konnten aber bereits vorher mit verfügbaren Geräten erzielt werden.
Die vielfältigen Einschränkungen der Erweiterung im Bestand wurden bei der Realisierung der Lösung gut berücksichtigt. Die Lösung bietet viele Funktionen für den Betreiber und stellt ihm alternative Nutzungsmöglichkeiten der Fahrzeuge als Redundanz oder zum Abfangen von Leistungsspitzen zur Verfügung.
Die Erweiterung im Bestand ist beeindruckend und die Umsetzung mit hochmodernen Fahrzeugen gut gelöst. Die Innovation resultiert aus der guten Kombination der bekanntermaßen gut funktionierenden Gewerke in einem sehr stark limitierten Umfeld.
| Funktionalität / Art der Umsetzung | + |
| Neuheit / Innovation | Ø |
| Kundennutzen | + |
| Marktrelevanz | + |
| ++ sehr gut / + gut / Ø ausgeglichen / − weniger / −− nicht vorhanden | |
Quellennachweis für Bilder/Videos: STILL
Finalisten durchlaufen im Rahmen des IFOY Audit, das im Rahmen des TEST CAMP INTRALOGISTICS stattfindet, das dreistufige IFOY Audit. Dieses besteht aus dem wissenschaftlichem IFOY Innovation Check, dem IFOY Test und dem Jurytest.
In den Statuten sind die Grundwerte und die Standards des IFOY AWARD festgelegt, nach denen die Organisation handelt. Dazu gehören unter anderem Gremien, Wahlomodus, Bewertungskriterien sowie der Code of Conduct.
Der International Intralogistics and Forklift Truck of the Year verfügt über drei Gremien: Jury, Träger und Fachbeirat.