IFOY KATEGORIE

IFOY

Routenzug mit automatischer Be- und Entladung

STILL GmbH

In der modernen und schlanken Produktionslogistik sind Routenzüge für einen effizienten Materialfluss nicht mehr wegzudenken. Sie versorgen die Bedarfsorte wie beispielsweise Montageplätze, bedarfsgerecht mit Materialien in verschiedenen Ladungsträgern und kleinen Losgrößen. Der Betreiber reduziert hierdurch nicht nur kostspielige Logistikfläche in der Produktion, sondern kann seine Bestände und seinen Energieverbrauch verringern sowie das Unfallrisiko durch ein geringeres Verkehrsaufkommen reduzieren. Darum war das Ziel eines renommierten Getriebeherstellers für Baumaschinen in England, die gesamte Produktionsversorgung von einem Frontstaplerbetrieb auf ein Umlaufsystem (Milkrun) umzustellen. Neben der Implementierung von standardisierten Routenzuglösungen aus dem bestehenden Portfolio bestand für Still die Herausforderung darin einen speziellen Routenzugrahmen zu entwickeln, um auch überdimensionierte Ladungsträger mit einem Gewicht von circa zwei Tonnen und einer Abmessung von circa 1200 x 2400 mm in die geplante routenzugbasierte Produktionsversorgung einzubinden. Durch die Entwicklung eines teilautomatisierten C-Rahmens mit intuitivem Bedienkonzept konnten die Vorteile von Routenzügen bei diesem Unternehmen auch dorthin gebracht werden, wo der Warentransport aufgrund von überdimensionierten Ladungen nur mit Frontstaplern möglich war.

Produktname und Firma

Routenzug mit automatischer Be- und Entladung – STILL GmbH

Kategorie

Heavy Load Forklift and Special Vehicle

Beschreibung

Innovationen

Die von Still implementierten LiftRunner-Systeme bestehen aus einem Zugfahrzeug vom Typ LTX und den LiftRunner-Rahmen(Anhänger) sowie Trolleys (rollbare Lastträger). Für den Transport der überdimensionierten und schweren Ladungsträger wurde ein Routenzugsystem mit C-Rahmen implementiert. Standardmäßig sind Still LiftRunner-C-Rahmen bis zu einer Tragfähigkeit von 1.600 kg ausgelegt – können aber auch in kundenspezifischer Größe und Tragfähigkeit konstruiert werden. Um das Be-und Entladen eines Routenzuges mit überdimensionierten Ladungsträgern zu ermöglichen, wurden die C-Rahmen erstmalig mit zwei elektrisch angesteuerten, zweifach teleskopierbaren Gabelpaaren mit bis zu 1.000 kg Tragkraft ausgestattet und damit der Be-und Entladeprozess des Routenzuges automatisiert. Über ein Fahrzeugterminal mit Touchscreen werden die beweglichen Gabeln vom Fahrerarbeitsplatz aus gesteuert und eine intuitive Bedienung des Routenzuges ermöglicht. Die über dem Rahmen installierte Fischaugenkamera ermöglicht eine 360-Grad-Sicht über die Anhänger sowie die Be-und Entladeplätze und projiziert dieses Livebild auf das Fahrzeugterminal. Darüber hinaus werden dem Fahrer über das Terminal die sinnvollen Aktionsoptionen angezeigt. An belegten Entladeplätzen kann er nur Ladungsträger aufnehmen, an freien Plätzen kann er nur Ladung abgeben. Zusätzlich installierte Laser-Positionierhilfen ermöglichen einen exakten Stopp des Zugfahrzeugs zur präzisen Platzierung der Ladungsträger am gewünschten Lagerort.

Marktrelevanz

Während bei einem standardmäßigen Routenzugeinsatz die Ladung manuell auf Trolleys in die LiftRunner-Rahmen ein- oder aufgeschoben werden, war es aufgrund der hohen Gewichte notwendig diesen Prozessschritt zu automatisieren. Ermöglicht wurde dies durch die elektrische die Ansteuerung der Gabeln des LiftRunner C-Rahmens über das Fahrzeug-Terminal im Fahrerarbeitsplatz. Durch das automatische Be- oder Entladen ergaben sich neue Anforderungen an die Sicherheit bei der Nutzung des Still LiftRunner-Systems. Mit der zusätzlich installierten Fischaugenkamera wurde ein perfekter Rundumblick über jeden einzelnen Anhänger und den Be-und Entladeplatz gewährleistet. Das projizierte Livebild auf dem Fahrzeugterminal ermöglicht es dem Fahrer auf unvorhergesehene Ereignisse zum Beispiel Fußgänger sofort zu reagieren und sorgt damit für maximale Sicherheit beim Be-und Entladen. Weiterhin ermöglicht die Laser-Positionierhilfe eine präzise Be- und Entladung.

Kundennutzen

Das Still LiftRunner-System mit den speziell entwickelten teilautomatisierten C-Rahmen bringt die Vorteile von Routenzügen auch dorthin, wo der Warentransport aufgrund von überdimensionierten Ladungen nur manuell möglich war. Neben einer standardisierten Produktionsversorgung konnte die Transportkapazität für diese speziellen Transportprozesse um 800 Prozent (von einer Palette auf acht Paletten) erhöht werden. Zudem profitiert das Unternehmen der Getriebeherstellung von einer deutlichen Reduzierung des Platzbedarfes in Gängen und Abladestellen da große Ladungen wie beispielsweise Getriebegehäuse nun längs und nicht mehr quer transportiert werden können. Ein weiterer positiver Effekt ist die Kostensenkung durch Einsparung an Personal und Equipment bei gleichzeitiger Steigerung der Prozesssicherheit. Während früher für den Transport der überdimensionierten Ladungsträger zwei Personen und zwei Frontstapler benötigt wurden, erledigt diese Transporte heute eine Person mit einem einzelnen Routenzug bestehend aus einem Schleppfahrzeug vom Typ LTX und zwei automatisierten C-Rahmen. Zudem punktet das LiftRunner Routenzugsystem durch ein Höchstmaß an Ergonomie. Durch die Kombination aus intuitivem Bedienkonzept über das Fahrzeugterminal und der automatisierten Be-und Entladung entfallen die Auf-und Absteigevorgänge und das übliche Schieben der schweren Lasten komplett und sorgen für eine physische Entlastung des Mitarbeiters.

Testbericht

Das Lean-Konzept war für Still der Grund, einen Routenzug zu entwickeln, der weiter geht als herkömmliche Konkurrenten. Wo andere Routenzüge oft auf das Handling von Lasten bis etwa 500 kg pro Anhänger begrenzt sind, schafft die Still-Variante sehr große oder schwere Lasten bis zu 2.500 kg oder sogar 6 Metern, auf einem relativ kleinen Gebiet.

Das Besondere ist, dass die Mitarbeiter physisch entlastet werden, da das Be- und Entladen der Anhänger vollautomatisch erfolgt. Aus demografischer Sicht und im Hinblick auf ein steigendes Durchschnittsalter bei Logistikbeschäftigten, bietet dieses Konzept offensichtliche Vorteile.

Bevor das System optimal genutzt werden kann, ist es erforderlich, die Arbeitsumgebung einmal festzulegen und die verschiedenen Stationen und Strecken anzugeben. Danach arbeitet der Routenzug sehr intuitiv, erfordert aber nichtsdestotrotz einen sehr genauen Fahrstil.

An der Vorderseite des Schleppers wird ein blauer Pfeil auf den Boden projeziert. Seitlich des Anhängers wirft ein Laserliner eine klare, grüne Linie auf dem Boden. Sobald der blaue Pfeil sich einem der markierten Stopps nähert und die grüne Laserlinie genau die Stoppmarke trifft, kann die Last leicht über die Teleskopgabel be- oder entladen werden.

Der Vorgang wird von einer Kamera überwacht, die auf dem C-Rahmen montiert ist. Das Kamerabild wird in Echtzeit auf einem großen Touchscreen am Schlepper dargestellt. Werden mehrere Anhänger gleichzeitig eingesetzt, wird jeder einzelne im Split-Screen-Modus dargestellt, so dass alle Arbeitsplätze immer im Fokus sind.

Zum Be- und Entladen der Ladungsträger muss der Fahrer den Schlepper nicht verlassen. Alle Aufträge werden über den Touchscreen eingegeben und durch zusätzliches betätigen des Auslöseknopfs am Schlepper bestätigt.

Der Still Routenzug kann bis zu vier Anhänger gleichzeitig transportieren und bietet somit eine hohe Produktivität und Effizienz. Dank des Allradantriebs der Anhänger, ist die Kombination sehr wendig. Weiterhin zeigt sich die Lösung sehr ruhig.

IFOY Testfazit

Der Still Routenzug mit automatischer Be- und Entladung ist eine erste Stufe zur Vollautomatisierung in der Produktion. Schwere Lasten können leicht von nur einer Person aufgenommen und transportiert werden, ohne dass der Bediener das Fahrzeug verlassen muss. Alter oder Leistung spielen keine Rolle, was in der Praxis Flexibilität bietet.

Hard factsTest Truck IFOY TestAverage other trucksValue 1 to 10
Productivity Max modeno datano dataPallets p. 8 hrs8
Productivity Eco modeno datano dataPallets p. 8 hrs8
Energy level Max modeno datano datakWh 100 pallets8
Energy level Eco modeno datano datakWh 100 pallets8
Driving speed with loadno datano datakm/hr
Driving speed without loadno datano datakm/hr
Lifting speedno datano datamts/sec
Acceleration speed with loadno datano datatime 10 mtrs
Acceleration speed without loadno datano datatime 10 mtrs
Averages soft facts
First impression7.80
Load Safety7.00
Entry / exit truck7.50
Working position7.67
Working space8.00
Activate truck8.00
Hydraulics7.86
Steering7.43
Sight8.00
Driving & Turning8.00
Parking truck8.00
Safety elements8.00
General after test7.75
Sustainability8.00
Totals
Total average soft facts7.79
Total productivity8.00
Total Energy consumption8.00

IFOY Innovation Check

Marktrelevanz

Routenzüge haben im vergangenen Jahrzehnt für den innerbetrieblichen Materialtransport sehr stark an Bedeutung gewonnen. Sie werden vorwiegend für die Materialversorgung von Arbeitsplätzen in der Montage eingesetzt, wobei die Fördergüter auf rollbaren Ladungsträgern von Hand auf oder in die Wagen (Anhänger) geschoben werden. Kleine Lasten werden ebenfalls manuell auf und abgeladen. In manchen Fällen müssen jedoch auch große und schwere Lasten mit Routenzügen transportiert werden, die nicht händisch auf und abgeladen werden können. Der von STILL entwickelte spezielle Routenzuganhänger mit den seitlich ausfahrbaren Teleskopgabeln erweitert daher das Einsatzspektrum der Routenzüge sinnvoll und erschließt damit ein neues Marktsegment für Routenzüge. Das Marktvolumen dieses Segmentes ist wie für alle Special Vehicle jedoch vergleichsweise klein. Allerdings hat STILL bei dem Schwerlast-Routenzug ein technisches Konzept realisiert, dass durchaus das Potenzial für eine breitere Anwendung auch in anderen Flurförderzeugen besitzt. Dieses ist die Fernbedienung (remote control) von Arbeitsvorgängen. Die Be- und Entladung der Anhänger mit den schweren und großen Ladeeinheiten erfolgt durch den Routenzugfahrer ferngesteuert vom Schlepper aus.

Kundennutzen

Der Kundennutzen des Schwerlast-Routenzugs ist sehr hoch einzustufen, da das Gerät für die spezifischen Anforderungen eines Kunden entwickelt worden ist. Die fernbediente Lastaufnahme und -abgabe ermöglicht ein sicheres Handling der großen und schweren Transportgüter. Der Fahrer wird hierbei durch die Fischaugenkameras und die Laserpositionierhilfe optimal bei seiner Arbeit unterstützt. Die Substitution der sonst für die Transporte eingesetzten Gegengewichtsstapler durch den Schwerlast-Routenzug bietet ökonomische Vorteile.

Neuheitsgrad

Die wesentlichen innovativen Elemente sind die Teleskopgabeln und die Fernbedienung. Teleskopgabeln sind zwar seit langem bekannt, die Verwendung in Routenzuganhängern ist jedoch neu, wenn auch naheliegend. Hervorzuheben ist jedoch die Fernbedienung von Arbeitsfunktionen durch einen räumlich getrennten Bediener, dem durch technische Hilfsmittel die notwendigen Informationen bereitgestellt werden. Bei Kranen wird die Fernbedienung bereits seit langem zur Teilautomatisierung und Entlastung der Bediener von physischen Beanspruchungen eingesetzt; bei Flurförderzeugen ist dies dagegen neu.

Funktionalität / Art der Umsetzung

Die technische Umsetzung ist gut realisiert. Von der Softwareseite fiel beim Innovation Check eine gewisse Trägheit des Systems auf. Eine genauere Positionierung des Fahrzeugs ist erst nach einer Eingewöhnungsphase möglich und erschwert die Bedienung. Nach der ausreichenden Positionierung erfolgen die Ent- und Beladung automatisch und zuverlässig.

Funktionalität  / Art der Umsetzung+
Neuheit / Innovation+
Kundennutzen++
MarktrelevanzØ
++ sehr gut / + gut / Ø ausgeglichen / − weniger / −− nicht vorhanden
Videos

Playlist

1 Videos

Playlist

2 Videos

Quellennachweis für Bilder/Videos: STILL GmbH

Auch interessant

IFOY Audit

Finalisten durchlaufen im Rahmen des IFOY Audit, das im Rahmen des TEST CAMP INTRALOGISTICS stattfindet, das dreistufige IFOY Audit. Dieses besteht aus dem wissenschaftlichem IFOY Innovation Check, dem IFOY Test und dem Jurytest.

Read More »

Statuten

In den Statuten sind die Grundwerte und die Standards des IFOY AWARD festgelegt, nach denen die Organisation handelt. Dazu gehören unter anderem Gremien, Wahlomodus, Bewertungskriterien sowie der Code of Conduct.

Read More »

Gremien

Der International Intralogistics and Forklift Truck of the Year verfügt über drei Gremien: Jury, Träger und Fachbeirat.

Read More »
Nach oben scrollen
This site is registered on wpml.org as a development site. Switch to a production site key to remove this banner.