Im Interview mit der IFOY AWARD Jury-Vorsitzenden:
„Der IFOY AWARD ist mehr als nur ein Award“
Frau Würmser, warum sollte sich ein Unternehmen überhaupt für den IFOY AWARD bewerben?
Weil der IFOY AWARD mehr ist als nur ein Award. IFOY ist der Benchmark für Innovationen in der Intralogistik. Wer es ins Finale schafft, bekommt nicht nur weltweite Aufmerksamkeit, sondern und eine unabhängige Bestätigung seiner Innovationsleistung und des Kundenutzens in Form von Zertifikaten und Testergebnissen. Das ist für viele mindestens genauso wertvoll wie der Award selbst.
Sie sagen oft: „Testing makes the Difference“. Was meinen Sie damit?
Auf dem Papier sehen viele Innovationen ganz hervorragend aus. Aber erst beim Testen zeigt sich, wie gut sie wirklich funktionieren. Ich habe oft erlebt, dass sich die Einschätzung eines Produkts nach dem Live-Test verändert hat – im positiven wie im negativen Sinn. Genau deshalb legen wir so großen Wert auf das Audit. Es ist ein Kompass für die Jury und prüft, was ein einzelner Juror bei aller Fachkenntnis nicht selbst leisten kann.
Was erwartet die Finalisten beim IFOY Audit?
Vor allem zwei intensive Tage. Unsere Tester prüfen die Fakten, die Wissenschaftler den Innovationsgrad und den Kundennutzen, die Jury und ihre Berater testen die Produkte und Lösungen selbst, und alles wird kritisch hinterfragt. Dabei vergleichen wir die Finalisten nicht untereinander, sondern mit den jeweils besten Wettbewerbsprodukten am Markt. Das macht den IFOY AWARD so anspruchsvoll.
Wie wichtig ist der Innovationsgrad?
Innovation ist und bleibt die Eintrittskarte. Aber in den vergangenen Jahren ist der Kundennutzen immer wichtiger geworden – vor allem in der Integrated-Customer-Solution-Kategorie. Die beste Innovation hilft wenig, wenn sie beim Anwender keinen echten Mehrwert schafft.
Sie haben eine neue Kategorie Humanoide Roboter eingeführt. Gibt es schon Bewerbungen aus diesem Bereich?
Die IFOY Kategorien bewusst flexibel gestaltet, um technologische Megatrends aufzugreifen. Wir haben Bewerbungen aus dem Bereich in der Pipeline und die Jury würde sich über weitere Einreichungen freuen. Spannend wird, ob sie nominierungsfähig sind und die Anforderungen an Innovationsgrad und Kundennutzen erfüllen. Ich wage eine Prognose: Der erste Humanoide Roboter, der es in ein IFOY Finale schafft, wird Geschichte schreiben.
Kann die Fachöffentlichkeit am Audit teilnehmen?
Das IFOY Audit findet im Rahmen des TEST CAMP INTRALOGISTICS statt und die Besucher können dort viele der Finalisten in der Arena sogar selbst testen. Die Jury-Meetings und die Ergebnispräsentation sind natürlich vertraulich, aber die Tests in der Arena kann man hautnah verfolgen. Man muss übrigens kein IFOY Finalist sein, um beim TEST CAMP auszustellen. Das Camp ist keine Messe, sondern ein kuratiertes Event für Neuheiten in Logistik und Intralogistik. Aber die IFOY Finalisten sind automatisch zugelassen.
Hat auch ein kleineres Unternehmen Chancen?
Selbstverständlich. Der IFOY ist keine Auszeichnung, die für die Großen der Branche gemacht ist. Die Jury bewertet das Produkt oder die Lösung – nicht das Unternehmen. Gerade mittelständische Unternehmen haben in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie zu den innovativsten der Branche gehören. Für junge Unternehmen gibt es zusätzlich den IFOY Start-up of the Year Award. Aber auch außerhalb dieser Kategorie treten KMU und internationale Konzerne unter denselben Voraussetzungen an.
Beim IFOY treten immer mehr chinesische Anbieter an. Warum ist das so und wie wettbewerbsfähig sind diese Produkte und Lösungen?
Seit Mitte der 2010er Jahre haben wir Bewerber aus China. Die meisten waren aber nicht innovativ genug, um das Finale zu erreichen. Das hat sich geändert. Der erste Sieger war BYD in der Staplerkategorie im Jahr 2018 mit einer Batterietechnologie, die schon erahnen ließ, was noch kommen könnte. Und so kam es ja auch.
Chinesische Anbieter haben einen klaren Fokus auf Nutzen und sehen deshalb vor allem den Wert einer IFOY Nominierung, nicht die Kosten. Und wie wettbewerbsfähig die Produkte sind, zeigt eine Nachricht eines Konzernvorstands, der mir folgendes zu Geek+ geschrieben hat: „Sie haben einen tollen Sieger gekürt!“ und dann schreibt, wie großartig Produkt und vor allem der Service sind.
Stichwort Kosten: Die meisten Awards sind kostenlos. Warum werden beim IFOY AWARD Gebühren erhoben?
Das ist eine Frage von Wert und Werten. Zunächst einmal ist die Bewerbung kostenlos – Gebühren fallen erst an, wenn ein Produkt oder eine Lösung für das Finale nominiert wird. Hinter jeder Nominierung steht ein aufwändiger, mehrmonatiger Auditprozess mit Wissenschaftlern, Testern, einer internationalen Jury und einem fundierten Bewertungssystem. Genau diesen Prozess finanziert die Nominierungsgebühr und damit letztlich auch die Glaubwürdigkeit des Awards.
Sie ist deshalb keine Teilnahmegebühr für einen Wettbewerb, sondern eine Investition in eine unabhängige Prüfung, wissenschaftlich fundierte Zertifikate und internationale Sichtbarkeit. Der Award ist der sichtbare Höhepunkt eines Prozesses, dessen eigentlicher Wert in der unabhängigen Bewertung und ihrer weltweiten Anerkennung liegt. Setzt man Aufwand und Nutzen ins Verhältnis, ist die Nominierungsgebühr vergleichsweise gering.
Was ist Ihr Rat an Unternehmen, die noch überlegen und der wichtigste Tipp für eine erfolgreiche Bewerbung?
Wenn Sie überzeugt sind, eine Innovation entwickelt zu haben, dann bewerben Sie sich. Machen Sie es der Jury leicht. Beschreiben Sie nicht jedes technische Detail, sondern erklären Sie, welches Problem Sie lösen und warum Ihre Neuheit für Kunden einen echten Unterschied macht. Wer den Kundennutzen klar und verständlich auf den Punkt bringt, hat schon viel gewonnen. Die technischen Details schauen wir uns später im Audit ohnehin sehr genau an.
Stimmt es, dass die IFOY Finalisten erst auf der Bühne erfahren, ob sie gewonnen haben oder nicht?
Das werde ich andauernd gefragt, und ja, das stimmt.