Automatisierung von Flurförderzeugen: Evolution, nicht Revolution

Die Diskussion um Automatisierung in der Intralogistik schwankt oft zwischen utopischen Visionen von dark warehouses ohne Menschen und der nackten Realität von Kosten, Komplexität und menschlichem Miteinander. Auf dem TEST CAMP INTRALOGISTICS in Dortmund brachte ein Gremium globaler Experten Perspektive und Pragmatismus in die Debatte ein.

An der Diskussion nahmen Arjan Van Zanten, Leiter des EP CARE Dealer Support bei EP Equipment, Michael Röbig, Leiter des Produktmanagements bei HUBTEX, Niklas Wilkowski, Head of Segment Stacker Trucks & Low Level Order Pickers bei Jungheinrich, und Professor Dr. Johannes Fottner, Inhaber des Lehrstuhls für Fördertechnik Materialfluss Logistik fml der TU München, teil. Gemeinsam erörterten sie die realen Herausforderungen und Chancen der Automatisierung von Lagertechnikgeräten.

Van Zanten ist der Meinung, dass der nächste große Schritt in der Demokratisierung der Automatisierung liegt. „Die Benutzeroberfläche kann viel einfacher gestaltet werden. Die großen Unternehmen werden die Automatisierung weiter vorantreiben. Der große Durchbruch wird von den Mittelständlern kommen. Und diese Unternehmen werden von einem hybriden Ansatz profitieren“, erklärte er.

Für Van Zanten ist KI der Schlüssel zu diesem Wandel. Von der intelligenten Abholung der Waren und deren Positionierung bis hin zur Integration aller Daten-Touchpoints in der Logistik sieht er die Automatisierung nicht nur als Mittel zur Effizienzsteigerung, sondern zum strukturellen Umdenken: „Es gibt einen wachsenden Markt für hybride Lösungen. Wir werden immer noch Menschen brauchen. Denn sie sind sehr flexibel und es ist unmöglich, alles zu automatisieren, was die Mitarbeitenden tun können.“

Diese hybride Realität wurde von Röbig unterstrichen. Er warnte vor der Annahme warnte, dass vollständig autonome Systeme unmittelbar bevorstehen. „Weniger als fünf Prozent der Kunden, die sich mit AGVs beschäftigen, gehen den ganzen Weg der Automatisierung“, sagte er. „Der Return on Investment ist oft einfach nicht gegeben – vor allem, wenn die Infrastruktur oder die Prozesse noch nicht so weit sind.“

Stattdessen investiert HUBTEX in halbautomatische Funktionen und maßgeschneiderte Fahrzeuge, die auf spezifische logistische Herausforderungen zugeschnitten sind. „Wir befinden uns noch in einem frühen Stadium der echten KI-Integration“, so Röbig: „Die Zukunft liegt in der intelligenten Verbindung von manuellen und automatisierten Systemen.“

Niklas Wilkowski von Jungheinrich stimmte zu, dass vollautomatische Distributionszentren, die nicht von Menschen betrieben werden, derzeit nicht zu sehen sind. „In einigen Lagern gibt es veraltete Prozesse und Infrastrukturen, die nicht für die Automatisierung ausgelegt sind“, erklärte er. „Der erste Schritt besteht darin, diese Prozesse zu optimieren, sie zu digitalisieren und erst dann zu bestimmen, welche Teile automatisiert werden sollen. Seiner Ansicht nach sollte die Automatisierung immer einem klaren Zweck dienen. „Sie ist kein Ziel an sich. Sie muss die Effizienz oder die Sicherheit verbessern – oder den Kunden helfen, ihre Ziele zu erreichen. Wenn das nicht der Fall ist, werden manuelle Prozesse wettbewerbsfähiger bleiben.“

Prof. Dr. Johannes Fottner brachte eine akademische Sichtweise in das Gespräch ein. „Es gibt keine universelle Antwort in der Logistik“, sagte er. „Der Erfolg liegt in der Kombination von Systemen, die den Menschen unterstützen. Manchmal ist das die Automatisierung. Manchmal ist es das nicht. Manche Leute sagen: Wir können nicht alles automatisieren. Dem stimme ich nicht zu: Ich bin sicher, dass wir das können. Die Frage ist nur, ob es sinnvoll ist und ob wir es tun sollten.“ Er stellte auch den Irrglauben in Frage, dass der Mensch sicherer sei als automatisierte Technik: „Das Gegenteil ist der Fall, und im Wettlauf zwischen automatisierten und manuell gesteuerten Systemen würde dies meiner Meinung nach auch die Chancen der automatisierten Systeme verbessern.“

Die Automatisierung schreitet also eindeutig voran, und sie ist sicher – aber sie wird sich weiterentwickeln. „Wir haben zwar schon große Schritte in der Automatisierung gesehen, aber die wirkliche Veränderung werden Geräte im Lager sein, die ihre Umgebung genauso verstehen und darauf reagieren können wie ein Mensch – nur schneller, sicherer und ohne Ermüdung“, so Röbig.

Bis es so weit ist, wird das Lager der Zukunft nicht menschenleer sein. Ja, die Geräte darin – vor allem die Flurförderzeuge – werden intelligenter, reaktionsschneller und besser vernetzt sein. Die Botschaft des Podiums war jedoch nicht die totale Umwälzung. Stattdessen ging es um Integration und darum, den Menschen zu ergänzen – nicht zu ersetzen.

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