Im Interviw mit IFOY Juror Heiner Sieger
„Ohne intelligente Intralogistik funktioniert moderner Handel nicht“

Wie bist Du zur Intralogistik gekommen?
Über den Onlinehandel. Als Chefredakteur des e-commerce Magazins beschäftige ich mich seit Jahren mit der Frage, wie Online-Bestellungen möglichst schnell, effizient und fehlerfrei beim Kunden ankommen. Spätestens da wird klar: Ohne intelligente Intralogistik – von der Kommissionierung bis zur letzten Meile im Lager – funktioniert moderner Handel nicht. Die Faszination für Automatisierung, Robotik und smarte Lagerprozesse hat sich daraus organisch entwickelt.

Warum willst Du Dich als IFOY Juror engagieren?
Weil ich überzeugt bin, dass Intralogistik und Handel noch viel stärker zusammengedacht werden müssen. Manche Unternehmen tun das auch bereits, aber eben nicht genügend. Als Juror kann ich meine Perspektive aus dem E-Commerce einbringen – die Frage, was eine Lösung nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich und strategisch für Unternehmen leistet. Zudem reizt mich der direkte, praxisnahe Kontakt zu den Innovationen, die den Online-Handel in den kommenden Jahren prägen werden. Wir veröffentlichen ja auch jedes Jahr ein Logistik-Sonderheft.

Was erwartest Du von einem IFOY Bewerber?
Echten Mehrwert – für den Anwender, nicht nur für das Datenblatt. Eine Innovation muss ein reales Problem lösen, sei es Effizienz, Nachhaltigkeit oder Fachkräftemangel. Und sie sollte in der Praxis funktionieren, nicht nur in der Theorie überzeugen.

Mit was könnte Dich ein IFOY Bewerber überraschen?
Gerne mit einer Lösung, die auf den ersten Blick simpel wirkt, aber ein branchenweites Problem elegant löst – nach dem Motto ‚Warum ist da nicht früher jemand drauf gekommen?‘. Oder mit einem Anwendungsfall aus einer Branche, in der ich Intralogistik-Innovationen gar nicht erwartet hätte.

Vervollständige den Satz: Für mich bedeutet Innovation…
…nicht unbedingt die spektakulärste Technologie, sondern die spürbarste Verbesserung im Alltag der Menschen, die damit arbeiten.

Welche Kriterien sind Dir bei Deiner Bewertung besonders wichtig?
Neben dem technologischen Innovationsgrad steht immer der konkrete Kundennutzen im Vordergrund: Löst das Produkt ein reales Problem? Wie einfach lässt es sich in bestehende Prozesse integrieren? Und: Ist die Lösung skalierbar und zukunftsfähig – gerade auch im Kontext von KI, humaner Anwendbarkeit und Nachhaltigkeit.

Was sind die Megatrends der Intralogistik?
Eindeutig, das Thema, das wir auch zur tragenden Säule unseres aktuellen Logistik-Sonderheftes machen: Autonomous Flow und Synchronized Commerce. Also wie KI, Robotik und smarte Flächen 2026 zur hocheffizienten Einheit verschmelzen. Dazu kommen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz als Muss-Kriterien, der demografische Wandel als Treiber für Automatisierung und Ergonomie.

Ist die Intralogistikbranche innovativ genug?
Sie hat in den vergangenen Jahren enorm aufgeholt – gerade getrieben durch den E-Commerce-Boom und den Fachkräftemangel. Aber: Innovationsgeschwindigkeit und Marktdurchdringung klaffen oft auseinander. Viele exzellente Lösungen erreichen den breiten Mittelstand noch zu langsam. Da sehe ich weiterhin reichlich Luft nach oben.

Wo steht die Intralogistik in zehn Jahren?
Eine Glaskugel hätte wohl nicht nur ich gerne. Aber es wäre cool, wenn bereits in fünf Jahren die Logistik deutlich autonomer, softwaregetriebener und stärker mit dem Handel verzahnt wäre. Ich gehe davon aus, dass KI nicht mehr nur einzelne Prozesse optimiert, sondern komplette Lager- und Supply-Chain-Netzwerke in Echtzeit selbstständig steuert. Der Mensch wird hoffentlich nicht verschwinden. Seine Rolle wird sich absehbar stark in Richtung Steuerung, Ausnahmemanagement und Ergonomie-Unterstützung verschieben.

Auf was freust Du Dich am meisten beim IFOY AWARD?
Auf das IFOY Audit selbst – den Moment, in dem Theorie zur Praxis wird und ich die nominierten Lösungen live erleben und testen kann. Es gibt kaum etwas Spannenderes, als Innovationen nicht nur zu lesen, sondern hautnah mitzuerleben. Und natürlich den Austausch mit den vielen erfahrenen internationalen Kolleginnen und Kollegen.

Was unterscheidet Deinen Blick als E-Commerce-Experte von dem klassischer Intralogistik-Fachjournalisten?
Ich schaue womöglich stärker vom Kunden und vom Geschäftsmodell her auf die Technologie – nicht nur von der Maschine oder dem Prozess aus. Für mich zählt: Wie wirkt sich eine Intralogistik-Innovation am Ende auf Lieferzeiten, Kundenerlebnis und die Wirtschaftlichkeit des Handels aus? Diese Perspektive bringe ich gerne als Ergänzung in die Jury ein.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz aus Deiner Sicht für die Zukunft der Intralogistik?
KI ist schon jetzt der Taktgeber in der Logistik. Künftig optimiert sie nicht mehr nur einzelne Schritte, sondern vernetzt Bestandsmanagement, Routenplanung und Robotik intelligent miteinander. Wer hier als Anbieter nicht mitzieht, riskiert mittelfristig seinen Umsatz.

Was können Handel und Intralogistikbranche voneinander lernen?
Der Handel kann von der Intralogistik lernen, wie wichtig robuste, skalierbare Prozesse im Hintergrund sind – gerade, wenn das Volumen explodiert. Umgekehrt kann die Intralogistik vom Handel lernen, radikal kundenzentriert zu denken: Am Ende zählt nicht die elegante Technik im Lager, sondern das Erlebnis, das beim Endkunden ankommt und Vertrauen sowie Bindung in und an die Unternehmensmarke stärkt.

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