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Automatisierte Gesamtlösung mit KI: Jungheinrich & Liebherr

Jungheinrich

Die zunehmende Komplexität logistischer Prozesse und die steigenden Anforderungen an Flexibilität, Geschwindigkeit und Fehlerfreiheit im Lagerbetrieb erfordern innovative Lösungen. Im Kontext der Digitalisierung industrieller Wertschöpfungsketten rückt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Warehouse-Management-Systemen (WMS) in den Fokus. Das Jungheinrich WMS demonstriert am Beispiel des Liebherr-Standorts Ehingen, wie KI-basierte Technologien die Steuerung und Optimierung des gesamten Materialflusses auf ein neues Niveau heben.

Produktname und Firma

Automatisierte Gesamtlösung mit KI: Jungheinrich & Liebherr – Jungheinrich

Kategorie

Kunde

Liebherr

Umsetzungszeitrum

Von:

20.07.2020

Bis:

01.10.2025

Investitionsvolumen

Case Study

Übersicht über das Projekt

Liebherr hat am Stammsitz in Ehingen ein neues zentrales Ersatzteillager errichtet, das seit April 2025 die globale Ersatzteilversorgung übernimmt. Ziel ist es, die Verfügbarkeit der Liebherr-Krane weltweit sicherzustellen – rund um die Uhr und mit höchster Effizienz. Am Standort werden rund 90.000 unterschiedliche Artikel gelagert – von kleinen Dichtungen bis zu großen Komponenten für Krane. Diese Vielfalt erfordert ein präzises und flexibles Warehouse-Management-System in Kombination mit leistungsstarker und effizienter Automatisierung.

Das Jungheinrich WMS verwaltet bei Liebherr unter anderem die beiden Automatikbereiche:

  • Paletten-Hochregallager mit sechs Gassen und 18.000 Stellplätzen
  • Kleinteile-Shuttle-Lager mit zwei Gassen, dreifachtiefer Lagerung und 40.000 Behälterstellplätzen
  • sowie insgesamt neun weitere manuelle Bereiche auf insgesamt zwei Etagen.

Die Lagerbereiche sind über Fördertechnik und Heber mit den Kommissionier- sowie Pick- und Pack-Plätzen verbunden. Kleinere Aufträge werden dabei bereits direkt an den Kommissionierplätzen versandfertig gemacht, wohingegen größere Aufträge auf Paletten kommissioniert und bis zur eigentlichen Bereitstellung in den Versand wieder eingelagert werden.

Die zeitliche Synchronisation der Warenausgangsabläufe unter Berücksichtigung der Cut-off-Zeiten der Versanddienstleister stellt dabei eine zentrale Herausforderung dar. Die Cut-off-Zeiten definieren den spätesten Zeitpunkt, zu dem ein Auftrag an einen Paketdienstleister übergeben werden muss, damit die Ware noch am selben Tag weitertransportiert oder zugestellt wird. Sie sind somit ein kritischer Taktgeber für ein zentrales Ersatzteillager. In solch komplexen Intralogistiksystemen mit mehreren Versanddienstleistern und variierenden Cut-off-Zeiten gewinnt die präzise Abstimmung der Warenausgangsabläufe daher zunehmend an Bedeutung. Das Jungheinrich WMS muss zur optimalen Umsetzung der Anforderungen in der Lage sein, diese zeitlichen Vorgaben dynamisch zu berücksichtigen und die operativen Abläufe entsprechend zu steuern, um eine termingerechte Übergabe der Waren sicherzustellen. Dieser Herausforderung ist das Jungheinrich WMS besonders durch seinen fortschrittlichen Einsatz von KI gewachsen.

Das Modul Data Center im Einsatz bei Liebherr

Das Jungheinrich-WMS-Modul Data Center ist der zentrale Bestandteil zur KI-gestützten Ermittlung der Kommissionierdurchlaufzeit mit automatischem Kommissionsstart. Hierbei analysiert die im Data Center des WMS integrierte KI kontinuierlich die historischen und aktuellen Durchlaufzeiten der Kommissionen – inklusive der Kommissionierdauer am Arbeitsplatz, der Transportzeiten zwischen Lagerbereichen sowie der Pufferzeiten bis zur Bereitstellung im Versand. Bei Liebherr werden dabei zudem die verschiedenen Kommissionierverfahren je nach Auftragsart entsprechend berücksichtigt.
Basierend auf diesen Daten wird für jeden Auftrag die voraussichtliche Durchlaufzeit in den verschiedenen Lagerbereichen vorhergesagt und somit für die Kommissionierung ein idealer Startzeitpunkt berechnet. Dieser Startzeitpunkt soll so früh wie nötig, aber so spät wie möglich gewählt werden, um Pufferzeit und -stellplätze zu sparen. Sobald der ideale Startzeitpunkt erreicht ist, wird der Kommissionsprozess automatisch ausgelöst – unabhängig davon, ob sich die Ware im Shuttle-Lager, im Hochregallager, in einem der neun manuellen Lagerbereiche oder verteilt auf diese befindet.
Nach erfolgter Kommissionierung findet für Aufträge mit viel Ware eine temporäre Wiedereinlagerung der vorbereiteten Ware statt. Die KI des Moduls Data Center überwacht dabei kontinuierlich die verbleibende Zeit bis zum geplanten Versandzeitpunkt und stößt die finale Auslagerung zur Bereitstellung automatisch an, sobald der optimale Zeitpunkt erreicht ist.
Dieses Zusammenspiel aus intelligenter Analyse, automatisierter Steuerung und flexibler Priorisierung sorgt für eine präzise, ressourcenschonende und termingerechte Kommissionierung – ein Meilenstein für die digitale Transformation in der Intralogistik.

Zahlen, Daten & Fakten

In einem Betrachtungszeitraum von zwei Monaten traf die KI insgesamt knapp über 97.000 Entscheidungen, welche wiederum auf über 830.000 Vorhersagen beruhten. Trotz des hohen Komplexitätsgrades der Synchronisation der unterschiedlichen Lagerbereiche und -Abläufe gelang es dem Kunden mithilfe der KI im Jungheinrich WMS bereits wenige Monate nach Go-live, über 96 % der Kommissionen eines Monats innerhalb der vorgegebenen Zeit zu kommissionieren und die Cut-off-Zeiten im Lager einzuhalten. Dies ist wesentlich höher als in vergleichbaren, manuell gesteuerten Anlagen. Das bestätigt auch Liebherr, die hier eine wesentliche Verbesserung durch den Einsatz des Jungheinrich WMS wahrnehmen, da im Vorgängersystem mit statischer und manueller Einlastung und Priorisierung wichtige Aufträge oft nicht rechtzeitig ausgelagert werden konnten.
Da das Data Center und die integrierte KI selbstlernend ausgeführt sind, wird die Vorhersage des Modells mit jeder Auslagerung fortlaufend verbessert und ständig an die aktuellen Gegebenheiten angepasst. Auch bei Veränderungen in den Arbeitsabläufen wird somit eine weiterhin gute Vorhersagequalität gewährleistet.

  

Durch den Einsatz des Moduls Data Center wird der gesamte Warenausgangsprozess bei Liebherr nicht nur automatisiert, sondern auch intelligent gesteuert. Die Vorteile sind vielfältig: Reduktion manueller Eingriffe (mehr als 80 % weniger Eingriffe im Vergleich zur manuellen Auftragseinlastung), Entlastung des Lagerleitstands, höhere Planungssicherheit und die Sicherstellung der globalen Liefertreue. Gleichzeitig bleibt das System flexibel genug, um auf kurzfristige Änderungen – etwa bei Versandfenstern oder Auftragsprioritäten – dynamisch zu reagieren.
Damit steht Liebherr als Leuchtturmprojekt für den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Intralogistik und zeigt exemplarisch, wie datengetriebene Assistenzsysteme auf Basis des Jungheinrich WMS eine hochgradig automatisierte, dynamisch gesteuerte und termingetreue Abwicklung komplexer Warenausgangsprozesse ermöglichen.

Quellennachweis für Bilder/Videos: Jungheinrich

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