Jungheinrich & MHP @ Wildeboer

Jungheinrich

Der Bau eines neuen Logistikzentrums hatte das Ziel, die Lagerkapazitäten zu erweitern und die Durchlaufzeiten zu verkürzen. Für die Automatisierung der innerbetrieblichen „letzten Meile“ vom Logistikzentrum in die Produktion setzt die Wildeboer Bauteile GmbH Mobile Robots von Jungheinrich in Kombination mit einem herstellerunabhängigen Flottenmanagementsystem von MHP ein. Das Highlight: Der gleichzeitige Betrieb verschiedener Mobile Robots gesteuert von einem externen VDA 5050-Flottenmanager.

Produktname und Firma

Jungheinrich & MHP @ Wildeboer – Jungheinrich

Kategorie

Integrated Customer Solution

Kunde

Wildeboer Bauteile GmbH

Umsetzungszeitrum

Von:

03.10.2023

Bis:

21.12.2024

Investitionsvolumen

1.198.850,00€ €

Case Study

Die Wildeboer Bauteile GmbH aus Weener entwickelt, produziert und vertreibt Komponenten für Brandschutz, Luftverteilung, Gebäudesystemtechnik und Schallschutz. Ob Bürogebäude, Shoppingmall, Hotel, Gesundheitswesen oder Events – die Bauteile von Wildeboer kommen in vielfältigen Branchen zum Einsatz. Zur Erweiterung der Lagerkapazität und Optimierung der Prozesszeiten realisierte Wildeboer in Zusammenarbeit mit Jungheinrich eine zukunftsfähige Automatisierungslösung in einem neu errichteten Logistikzentrum.

Für den Transport von Ladungsträgern vom Automatiklager in die Produktion und von Produktionsschritt zu Produktionsschritt sowie für den Rücktransport wurde eine Automatisierungslösung mit Mobile Robots installiert. Sechs Mobile Robots ERC 213a übernehmen den Transport von Großladungsträgern (GLT) bestehend aus Europaletten und Gitterboxen, während der autonome Mobile Robot SOTO für den Transport von Kleinladungsträgern (KLT) zuständig ist. Gesteuert wird das Zusammenspiel der Mobile Robotes durch eine herstellerunabhängige Software, dem MHP-FleetExecuter. Das Jungheinrich Logistics Interface fungiert als Middle Layer zwischen dem MHP-FleetExecuter und der Peripherie, bestehend aus Fördertechnik, Schnelllauftoren und einer Brandmeldezentrale.

Mit den Jungheinrich ERC 213a wurden bewährte Mobile Robots zur Automatisierung wiederkehrender Transportaufgaben auf engstem Raum eingesetzt. Dank ihres kompakten Designs eignen sie sich optimal für geringe Arbeitsgangbreiten. Neben hoher Prozesssicherheit und kurzer Amortisationszeit überzeugen sie durch ihre effiziente Antriebstechnologie mit nachhaltiger Lithium-Ionen-Batterie, sowie umfangreiche Sicherheitssysteme für den reibungslosen Einsatz im Mischbetrieb.

Der SOTO eignet sich hervorragend für den automatisierten Transport von Kleinladungsträgern entlang der Produktionslinie sowie für die Ein- und Auslagerung direkt in und aus Durchlaufregalen oder auf Förderbänder. Er ermöglicht die Materialverfolgung in Echtzeit und bietet so maximale Prozesssicherheit. SOTO nimmt bis zu 14 KLT in zwei verschiedenen Größen problemlos von zwei Seiten auf und transportiert sie sicher an ihren Bestimmungsort. Sein verstellbarer Greifer erreicht Höhen zwischen 400 und 1.700 mm und ermöglicht eine 180 Grad-Drehung der KLT – für ein präzises und stufenloses Handling in unterschiedlichen Regalhöhen. Vier Laserscanner und zwei 3D-Kameras sorgen für ein hohes Maß an Sicherheit im Umgang zwischen Mensch und Maschine.

Automatisiertes Handling auf einem neuen Effizienzniveau

Im automatischen Hochregallager und dem automatischen Kleinteillager (AKL) von Wildeboer werden die kommissionierten Aufträge auf Ladungsträgern in Form von Großladungsträgern (GLT) und Kleinladungsträgern (KLT) für den Transport in die Produktion vorbereitet. Die Zuteilung der Transportaufträge zum jeweils passenden und optimal positionierten Fahrzeug erfolgt durch den MHP-FleetExecuter. Hierbei wird bei SOTO-Transporten zusätzlich eine Tourenbildung auf Basis kürzester Zwischenstrecken durchgeführt, um eine effiziente Gesamtfahrt zu gewährleisten. Anschließend werden die Aufträge per VDA 5050-Schnittstelle an den mobilen Roboter SOTO und die ERC 213a übertragen, die diese wiederum ausführen und Rückmeldungen liefern. So schafft der Kunde mehr als 83 Paletten- und Gitterboxtransporte pro Stunde und erhöht durch den SOTO spürbar die Geschwindigkeit und Effizienz der KLT-Transporte mit 22 KLT pro Stunde.

Neuartig bei dieser Automatisierungslösung ist die Kombination von verschiedenen Mobile Robots innerhalb eines Logistiksystems unter der zentralen, herstellerunabhängigen Leitsteuerung eines externen Flottenmanagementsystems. Die besondere Herausforderung bei der Umsetzung der Automatisierungslösung bestand neben der Tourenplanung und dem Backpack-Management des SOTO über den VDA 5050-Leitrechner darin, den Betrieb der unterschiedlichen Flurförderzeuge, die nicht zwingend von einem Hersteller stammen müssen, aufeinander abzustimmen und einen effizienten Warenfluss mit allen Komponenten zu gewährleisten. Die Forderung nach einem zukunftsfähigen System, das die kurzfristige Einbindung weiterer Fahrzeuge und Lieferanten ermöglicht, wurde erfolgreich umgesetzt.

Skalierbar und zukunftsfähig

Als Generalunternehmer und fester Ansprechpartner für Wildeboer im gesamten Projektverlauf lieferte Jungheinrich eine Automatisierungslösung, die mit ihren Aufgaben wächst und dem Kunden maximale Flexibilität bietet. Auf Veränderungen in der Intralogistik kann zukünftig durch die kurzfristige Integration neuer Robotertypen wie zum Beispiel Schwerlast-AGV oder Reinigungsmaschinen per standardisierter VDA 5050-Schnittstelle reagiert werden. Im ersten Schritt wurden zunächst sechs ERC 213a-Fahrzeuge und ein SOTO installiert. Sollte sich das Transportaufkommen durch eine andere Taktung in der Produktion erhöhen, können problemlos weitere Fahrzeuge hinzugefügt werden.

Durch die Automatisierung wiederkehrender Transportaufgaben konnte auch dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Seit Inbetriebnahme der Automatisierungslösung profitiert Wildeboer von einer signifikanten Steigerung der Produktivität, während die Mitarbeitenden durch die automatisierten Kollegen bei der Ausführung ihrer Tätigkeiten entlastet werden.

Fazit

Die große Herausforderung, mehrere Mobile Robots unter einem Dach mit Hilfe einer externen Schnittstellenlösung effizient zu betreiben, wurde im Projekt Wildeboer mit Bravour gemeistert. Jungheinrich liefert eine offene und flexible Automatisierungslösung, die dem Kunden die Freiheit bietet, je nach Aufgabenstellung und Bedarf externe Komponenten und Lieferanten in das System einzubinden.

IFOY Innovation Check

Funktionalität / Art der Umsetzung

Die implementierte Automatisierungslösung bei der Wildeboer Bauteile GmbH gewährleistet die effiziente und zuverlässige Transportabwicklung innerhalb des neu errichteten Logistikzentrums. Die Funktionalität dieser Lösung basiert auf dem Einsatz verschiedener fahrerloser Transportfahrzeuge (FTF) für den innerbetrieblichen Materialfluss, sowohl im Bereich der Ladungsträger im Format von Paletten als auch bei den Kleinladungsträgern. Sechs Jungheinrich ERC 213a übernehmen die automatische Beförderung von Paletten zwischen Lager, Produktion und Rückführstationen. Parallel dazu ist der autonome Mobile Robot SOTO für die präzise Handhabung und den Transport von Kleinladungsträgern entlang der Produktionslinie verantwortlich. Die Steuerung der gesamten FTF-Flotte erfolgt durch die herstellerunabhängige Software MHP-FleetExecuter. Diese übernimmt nicht nur die intelligente Zuteilung der Transportaufträge auf die optimal positionierten Fahrzeuge, sondern führt bei den Transporten für Kleinladungsträgern zusätzlich eine Tourenoptimierung durch. Über die VDA 5050-Schnittstelle kommuniziert die Software effizient mit den eingesetzten FTF und sorgt für nahtlose Integration mit der umgebenden Fördertechnik. Durch den Einsatz dieser Technologie konnte Wildeboer eine signifikante Steigerung der Transportkapazität erzielen – mit über 83 GLT- und 22 KLT-Transporten pro Stunde – bei gleichzeitig gesteigerter Prozesssicherheit und reduziertem manuellen Aufwand.

Neuheit / Innovation

Die Kombination von SOTO für Kleinladungsträger und ERC 213a für Großladungsträger auf einem gemeinsam genutzten Transportlayout stellt eine zukunftsweisende Lösung dar. Durch die Umsetzung anspruchsvoller Funktionen wie der Tourenplanung und dem sogenannten Backpack-Management des SOTO wurde ein hoher Automatisierungsgrad bei gleichzeitig flexibler Skalierbarkeit erreicht. Die Fähigkeit, weitere FTF und sogar neue Hersteller ohne strukturelle Eingriffe in die Systemarchitektur einzubinden, stellt einen wesentlichen Innovationsschritt in Richtung modularer und erweiterbarer Intralogistiklösungen dar. In dieser Form ist es eine Neuheit in der Umsetzung, da bisher das Management gemischter Flotten nur aus Lösungen für sehr große Systeme bekannt war, wie sie in Werken der Automobilindustrie zu finden sind.

Kundennutzen

Für Wildeboer ergibt sich ein erheblicher Mehrwert durch die Implementierung einer gemischten Flotte aus Paletten- und Behälter-FTF, die zentral über ein leistungsfähiges, herstellerunabhängiges Flottenmanagementsystem gesteuert wird. Besonders relevant ist die zuverlässige Koordination aller Fahrzeuge auf gemeinsamen Verkehrsflächen – ermöglicht durch die VDA 5050-Schnittstelle. Dies steigert nicht nur die Prozesssicherheit, sondern reduziert auch den personellen Aufwand im innerbetrieblichen Materialfluss deutlich. Zudem ermöglicht die Lösung eine flexible Skalierbarkeit bei zukünftigen Erweiterungen. Damit profitiert Wildeboer von einer modernen, kosteneffizienten Automatisierung, wie sie bislang meist nur Großunternehmen vorbehalten war.

Marktrelevanz

Die vorgestellte Lösung hat eine sehr hohe Marktrelevanz, insbesondere für den industriellen Mittelstand, der gerade in Deutschland sehr ausgeprägt ist. Mit ihrer adaptiven, skalierbaren Struktur adressiert die Lösung die Anforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), die zunehmend nach automatisierten Logistiklösungen suchen, ohne über die Ressourcen großer OEMs zu verfügen. Die erfolgreiche Umsetzung bei Wildeboer dient als richtungsweisendes Beispiel dafür, wie selbst in Betrieben mit wenigen hundert Mitarbeitenden eine komplexe FTF-Flotte wirtschaftlich und effizient betrieben werden kann. Gerade im Hinblick auf den zunehmenden Fachkräftemangel und den Bedarf an flexiblen Produktions- und Logistikprozessen bietet dieses System einen zukunftsfähigen Ansatz mit hohem Verbreitungspotenzial.

IFOY Fazit

Die Unternehmen Jungheinrich und MHP haben für Wildeboer eine beeindruckende Funktionalität in einem sehr großen Layout umgesetzt. Der Kundennutzen resultiert insbesondere aus dem gewählten Transportmanagementsystem, das die Fahrzeuge der gemischten Flotte von Behälter- und Paletten-AGVs auf den gemeinsamen Verkehrsflächen über die VDA5050-Schnittstelle zuverlässig koordiniert. Diese Innovation war lange Zeit den großen Fahrzeugflotten der OEMs in der Automobilindustrie vorbehalten. Somit ist sie ein gutes Beispiel für eine Flotte aus Flurförderzeug in Unternehmen mit nur wenigen hundert Mitarbeitern. Gerade im deutschen Markt mit seinen vielen KMU hat diese Lösung eine sehr große Marktrelevanz.
Das Projekt bei Wildeboer ist in jeder Hinsicht eine überzeugende Lösung und ein verdienter Finalist für den IFOY AWARD.

Funktionalität  / Art der Umsetzung++
Neuheit / Innovation+
Kundennutzen++
Marktrelevanz++
++ sehr gut / + gut / Ø ausgeglichen / − weniger / −− nicht vorhanden
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Quellennachweis für Bilder/Videos: Jungheinrich

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